Gerade hat mir der Hausmann vorgelesen,

wie man Herrn und Frau Specht auseinanderhalten kann. Herr Specht hat am Hinterkopf einen roten Fleck. Ich erinnere mich, das auch schon einmal gelesen zu haben. Aber sie zeigen sich meist von vorn oder von der Seite, sodass ich bisher noch keine Unterscheidung treffen konnte.

Als wolle Herr Specht meine Worte als Unsinn entlarven, setzt er sich so an den Knödel, dass wir beide ganz genau den roten Fleck erkennen können. Der Hausmann vom Sofa gegenüber, ich von meinem Bett aus.

Wir sind mal wieder zusammengerückt, damit nebenan beim Hausmann zwei Gäste übernachten konnten. Waren die tatsächlich da? Wir haben nichts gehört – weder heute Nacht noch jetzt am Morgen.

Wie schon so oft in der Vergangenheit sitzen wir uns gegenüber: der Hausmann unterwegs in Boca Chica, und ich, nachdem ich mein morgendliches Schreibziel erfüllt habe, schaue wieder einmal in ein Video von Micha Nordost, der seit einigen Wochen wieder mit seinem Fahrradwohnwagen unterwegs ist.

„Hey, sag mal, ist das jetzt Herr oder Frau Specht?“
Ich sehe nur das rote Bauchgefieder.
Der Hausmann kann von seinem Platz aus auch die Rückseite sehen.
„Kein roter Fleck“, sagt er.

„Grüß sie, Frau Specht.“

Ob die beiden ein Paar sind?

Vorhin kam auch schon ab und zu einer von den Staren vorbei. Ich liebe Stare, der Hausmann mag sie nicht. Ein wiederkehrendes Thema zwischen uns. Ich will ihn von der Schönheit und Klugheit der Vögel überzeugen, er kommt mir mit dem Gefieder, das ihn an Schmeißfliegen erinnert, und mit den Kirschen und Pflaumen, die die Vögel ihm früher geklaut haben.

Mir gehen die Argumente aus.

Die Vögel sind so hübsch. Und du bist blöd.

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