Der Pirol

Hoch in der Birke dem Pirol
ist am Abend nicht ganz wohl.
Stieg zu Kopf ihm sein Gesang?
War am Ende der zu lang?

„Fass dich kürzer, dummer Hansel“,
zwitschert leis vom Dach Frau Amsel.
„Warum stößt man ohne Nöte
überhaupt so in die Tröte?“,
fragt in die Runde laut Herr Meise,
der sich selber hält für weise.

Doch da flattert schon vom Baume
Herr Pirol in bester Laune:
„Kümmert euch um eure Dinge
und nicht darum, wie ich singe,
denn grad, wem Gesang gegeben,
der erfüllt die Welt mit Leben.“

(2023)

Wenn ich die Augen schließe

Wenn ich die Augen schließe,
sehe ich dein junges Gesicht.
Ich höre die Worte,
die du nicht gesagt hast.

Ich spüre die Arme,
die mich nicht gehalten haben.

Wenn ich die Augen schließe,
spüre ich das Rauschen in meinem Körper,
das sich mit dem des Meeres vereint.

Ich sehe zarte Gespinste
aus dem Nebel steigen —
Oktopusse,
Quallen,
groß wie Häuser.

Wenn ich die Augen öffne,
sind sie immer noch da.
Sie tanzen.
Für mich.

(2024)

Von hier aus hinaus in die Welt

Und wenn nicht in die Welt, dann hinaus in andere Dörfer und Städte. Alles hier lädt mich ein, meine Lebendigkeit zu spüren: Der Garten, die Lücke zwischen Birne und Quitte, der ungestörte Blick bis zum Deich, der weite Himmel, die Wolkengebirge, die Rufe der Kraniche, Begegnungen mit Menschen, Geschichten von hier, Geschichten von unterwegs.

Sie warten auf mich
und wollen erzählt werden.

(2023)