Gefunden (gehört) in dem Film „Bis in die Seele ist mir kalt“

Christine Lavant (1915-1973)

Abwendig hängt der Mond im Dunst,
mein Herz geht durch die Feuersbrunst
in glasig harte Kälte.
Von einer frühen Älte
befallen sitz ich träg und krank
auf der verlaßnen Bahnhofsbank
und fürcht mich aufzustehen. „Gefunden (gehört) in dem Film „Bis in die Seele ist mir kalt““ weiterlesen

Gefunden in der Brigitte Woman: Interview mit Milena Moser

Wenn man sie frage, warum sie so viel von sich preis gäbe, würde sie folgendes antworten:

Weil ich nichts anderes zu geben habe als mich selbst.
Warum auch nicht? Ich bin doch kein kostbares Gut, das es eifersüchtig zu hüten gilt. Ich bin nichts Besonderes. Meine Ängste, meine Zweifel sind die vieler Frauen. Und, wie sich herausstellt, auch die vieler Männer. Was mich von anderen unterscheidet, ist nur, dass ich diese Dinge in Worte fasse.

Gefunden im Briefwechsel Brigitte Reimann/Christa Wolf: Sei gegrüßt und lebe

Am 05.02.1969 schreibt Christa Wolf an Brigitte Reimann:

Zu leben, und möglichst nicht gar zu sehr gegen den eigenen Strich zu leben, das heißt zu arbeiten und ein paar Leute daran teilhaben zu lassen, ist die einzige Form von Tapferkeit, die ich heute sehe. 

Gefunden in Christian Lehnert: Windzüge – Gedichte

Als ob sich alle Berge meerwärts neigten,
wie Halme in der Sonne, war es Zeit?
Dass sich die Dinge immer klarer zeigten?
Nur ein paar Fremde ahnten, was noch bleibt.

Sie zogen fort von allem, was sie kannten,
Sie wurden Zeugen ihrer eigenen Schwere,
und folgten ihrem Hunger und der Leere,
die wie ein Stern in klaren Nächte brannte.

Gefunden in Wolfgang Büscher: Hartland

Dieser knisternd gegenwärtige Wintermorgen in Nord Dakota, die schneidende Kälte, in der ich ging, der leichte Schmerz beim Einatmen, die winterstarre Welt – all das barg die pochende Erwartung von Dingen, die kommen würden, die auf mich warteten, an der Biegung der Straße. […]

Wie leer Amerika war! So leer war Amerika, so amerikanisch die Leere – so hatte ich das nicht gewusst. Hätte ich mein reiches, überreiches Vorwissen in einem Beutel bei mir getragen, in diesem Augenblick wäre er in den Schnee geflogen. Nein, ich hatte dieses Land nicht gekannt, zu meinem Glück. Ich sah Amerika zum ersten Mal.

Gefunden in Henry Miller: Big Sur und die Orangen des Hieronymus Bosch

Der Schriftsteller, der mit seinen Mitmenschen in Verbindung treten und dadurch eine Gemeinschaft herstellen will, muss nur aufrichtig und ohne Umwege sprechen. Er hat nicht über literarische Gepflogenheiten nachzudenken, nicht über Strömungen, Moden, Absatzmöglichkeiten, unannehmbare und annehmbare Ideen. Er braucht sich nur selbst auszuliefern, nackt und verwundbar, wie er ist. Alles, was ihn einengt und hemmt, was er nicht preisgibt, fühlt der Leser mit derselben Verzweiflung und Unruhe wie er selbst. „Gefunden in Henry Miller: Big Sur und die Orangen des Hieronymus Bosch“ weiterlesen

Gefunden in Olga Tokarczuk: Der Gesang der Fledermäuse

  • Widerstand ist wahre Freundschaft.

  • Manchmal glaube ich, dass nur ein Kranker wirklich gesund ist.

  • Eine bewährte Art und Weise, Albträume loszuwerden, ist es, sie einer offenen Kloschüssel laut zu erzählen und dann die Spülung zu betätigen.

  • Ich weiß nicht, wohin ich zurückkehren soll. Es ist wie gefangen sein. Die Wände der Zelle sind der Horizont dessen, was ich sehe. Dahinter existiert eine Welt, die mir fremd ist und die nicht zu mir gehört. Also für Menschen wie mich ist nur das Hier und Jetzt möglich. Denn jedes Später ist zweifelhaft. Jede Zukunft ist kaum skizziert und ungewiss. Aber eine Fata Morgana, die durch den kleinsten Luftzug zerstört werden kann. Wie eine Fata Morgana, die durch den kleinsten Luftzug zerstört werden kann.