Seit einiger Zeit arbeite ich nur noch an drei Nachmittagen in der Woche im Laden. Ich habe Peter kurzerhand zum Geschäftsführer erklärt und überlasse ihm den Einkauf und die Buchführung. Wenn es trotzdem mal nicht so gut läuft, muss ich mir auch keine Sorgen machen. Es ist immer etwas Geld da, mit dem wir solche Phasen überbrücken können. „Annas Angst – Epilog (2)“ weiterlesen
Kategorie: Annas Angst (Roman)
Annas Angst – Epilog (1)
Madame, Sie müssen sich anschnallen. Wir fliegen durch ein Schlechtwettergebiet.“
Die Hand, die meinen Arm schüttelt, passt nicht zu der melodiösen Stimme. Die gehört der Stewardess, die mir das Taschentuch gab. Meine Sitznachbarin ist diejenige, die an mir zerrt. Dabei flüstert sie in einem fort achgottachgott. „Annas Angst – Epilog (1)“ weiterlesen
Annas Angst – Sonntag (6)
Simon hat sich etwas erholt. Er wirkt ein wenig gelöster als noch vor einer halben Stunde. „Stell dir das vor. Ein jüdischer Arzt, der arischen Frauen die Kinder wegmacht. Und das in einer Zeit, als ein reicher Kindersegen als wünschenswert galt. Mit so einem hätte man sich nicht lange aufgehalten. Den hätte man an Ort und Stelle umgebracht. „Annas Angst – Sonntag (6)“ weiterlesen
Annas Angst – Sonntag (5)
Während Simon liest, beobachte ich ihn. Er zieht die Stirn kraus, so wie ich es auch oft mache. Vielleicht ärgert er sich auch schon wieder. Fast automatisch zündet er sich eine Zigarette an. In seinem Alter sollte er nicht so viel rauchen. Aber das kann auch an der ungewöhnlichen Situation liegen, in der wir uns beide befinden. „Annas Angst – Sonntag (5)“ weiterlesen
Annas Angst – Sonntag (4)
Obwohl ich die Tür zum Hauptgebäude noch nicht geöffnet habe, kann ich durch die Glasscheiben schon erkennen, dass sich im Durchgang zum Garten nur ein einziger Mensch aufhält. Ein älterer Herr, der sehr aufrecht in einem Sessel sitzt. Er hat die Beine übereinandergeschlagen und hält eine dicke Zigarre in der Hand. „Annas Angst – Sonntag (4)“ weiterlesen
Annas Angst – Sonntag (3)
Ich habe in meinem Reiseführer von einem Weg gelesen, der über die Dächer der Altstadt führen muss. Nachdem ich Shlomo versprochen habe, ihn unbedingt in den nächsten Tagen im Café zu besuchen, zeigt er mir die Richtung. So fremd sind sich Juden und Araber gar nicht. Zumindest deuten meine ersten Begegnungen in diese Richtung. Sie erzählen dir eine Menge. „Annas Angst – Sonntag (3)“ weiterlesen
Annas Angst – Sonntag (2)
Die Geschichten, die Riad mir beim Kaffeetrinken erzählt, sind gleichermaßen erstaunlich und absurd. Es fällt mir schwer, ihm zu glauben. Er sagt, er wäre Palästinenser. Angeblich ist er in West-Berlin geboren. Seine Mutter ist Deutsche, der Vater Jordanier. Er selbst hat einen jordanischen und einen deutschen Pass, mehrere Geschäfte in Jerusalem und etliche Hektar Land in Argentinien. „Annas Angst – Sonntag (2)“ weiterlesen
Annas Angst – Sonntag (1)
Ich öffne die Augen und schließe sie gleich wieder. Ein Sonnenstrahl hat sich durch einen winzigen Spalt im Vorhang geschlängelt und auf meine Nase gesetzt. Für einen Augenblick weiß ich nicht, wo ich bin. Der Kater ist nicht vom Bett gesprungen, ich kann ihn auch nirgendwo miauen hören. Dann fällt es mir ein: Ich bin in Jerusalem, habe mit meinem Vater telefoniert und bin am Abend mit ihm zum Essen verabredet. Essen. Mein Magen knurrt. Die letzte Mahlzeit hatte ich im Flugzeug. „Annas Angst – Sonntag (1)“ weiterlesen
Annas Angst – Sonnabend (5)
Die Flasche Wasser und das Telefon nehme ich mit ins Bett. Dann stopfe ich mir die großen, bequemen Kissen in den Rücken und throne. Vor mir liegt das Tagebuch aufgeschlagen an der Seite, auf der ich mir Simons Telefonnummer notiert habe, die mir Gabriel erst vor zwei Tagen gegeben hat. Gabriel. Ich habe den ganzen Tag nicht an ihn gedacht. Wie habe ich ihn nur so schnell vergessen können. „Annas Angst – Sonnabend (5)“ weiterlesen
Annas Angst – Sonnabend (4)
Ich höre, wie das Fahrwerk ausgefahren wird. Bald ist alles überstanden. Der Druck in meinen Ohren nimmt zu, die Schmerzen werden schlimmer. Ich halte mir die Nase zu und presse Luft hinein, aber es nützt alles nichts. Die Ohren bleiben zu und tun weh. Ich klammere mich an die Armlehnen und beginne noch einmal, diesmal jedoch ganz leise zu beten. „Annas Angst – Sonnabend (4)“ weiterlesen