Neben den qualmenden, immer noch mit Reif bedeckten Heuballen. Die Vögel an den neuen Knödeln (Deluxe, echt Nabu, vielen Dank nach Mannheim schon mal) sind dunkle, sich bewegende Schatten in der fast unanständigen Helligkeit.
Der Kater hat mein Bett verlassen, nachdem er sich Futter und Streicheleinheiten erschrien und erschlichen hatte. Nun sitzt er mit gespitzten Ohren unter dem Walnussbaum. Vielleicht wartet er darauf, dass sich neben ihm eine Wühlmaus an ihr Tagwerk begibt und einen Hügel aufschüttet. Die würde er zum zweiten Frühstück fressen. Danach wäre ihm wieder eine Weile übel.
Ich habe heute noch nichts gegessen. Mein Frühstück steht neben mir auf dem Tablett. Und so endet fürs Erste die morgendliche Schreib- und Nachdenkzeit, die mich über verwunschene, gewundene Wege von einem alten Traum zu meinem Großvater Hyazinth gebracht hat, der 1945 ums Leben kam. Man hatte den damals knapp 50-Jährigen zum Volkssturm eingezogen. Die Russen, die ihn gefangen nehmen wollten, hatte er nicht ernst genommen. Er wurde auf einer Wiese gefunden, von hinten erschossen. 30 Kilometer entfernt von seiner Familie.
Die beiden ältesten Söhne – Willie, 23 Jahre alt, und mein Vater, 13 Jahre alt – haben ihn Monate später in einem noch schnell schwarz angestrichenen Sarg auf einem Handwagen zurück nach Niederschönhausen gebracht. Der Jüngste, damals erst 7 Jahre alt, erinnerte sich viele Jahre später noch an den Wutanfall, den Willie abends bekommen hatte.
In der Schönholzer Heide befindet sich ein kleiner Ehrenfriedhof für die Gefallenen der letzten Kriegstage. Dort ist auch das kleine unauffällige Grab meines Großvaters. Obwohl ich ihn nie kennengelernt habe, fühle ich mich ihm nah. Ich denke immer mal wieder darüber nach, nach Hohenlinde – heute Łagiewniki – zu fahren. Nicht, um auf seinen Spuren zu wandern, sondern auf einen Ton zu lauschen, den dieser Ort vielleicht in mir auslöst.