Auf dem Weg dorthin überlegten wir. Die Erklärung finde ich erst abends, als wir längst wieder zu Hause sind. Angeblich war dort, wo heute der See ist, einst das Schloss eines Zauberers. Als dessen Bursche das falsche Fass öffnete, überflutete das herausströmende „irrende“ Wasser alles. Mit Irren hat der Name also nichts zu tun.
Ein schön gelegener See, umgeben von beachtlichen Bergen, das Wasser so kalt wie am Thumsee. Dort war ich mit dem Hausmann gestern schon zum zweiten Mal. Wenn mir etwas gefällt, bin ich Wiederholungstäterin. Er auch. Aber die in Österreich lebende Freundin hat ein Auto, und das erweiterte unseren Radius auf angenehme Weise. Mit Bahn und Bus wären wir auch in das nette kleine Freibad gelangt, aber das hätte ewig gedauert.
Das Mädchen blieb mit einer Freundin zu Hause, der Junge war im Bad mit Schulfreundinnen verabredet. Er geht in die dritte Klasse, ist recht beliebt und im Moment schwer verliebt. In eine Erstklässlerin.
Sogar ich fand den Buben – wie wir die Jungen hier in Bayern nennen – heute überwiegend angenehm. In der Vergangenheit gab es zwischen uns einige Reibereien. Lautstarke. Heute war er ungewohnt nett zu mir. U. a. wollte er mich unbedingt zu einem Stück Pizza überreden. Die ist weich. Die kannst du auch mit deiner Prothese essen. Probier mal. Er hatte recht, und ich war ein bisschen gerührt von so viel Fürsorge.
Auf der Rückfahrt hat es mich dann beinahe umgehauen, als ich von der Hinterbank hörte, wie der Bub seine Rücksichtnahme auf seine junge Freundin begründete. Ist logisch. Ich bin doch auch ihr Mann. Dann will ich mal die Daumen drücken, dass bei meinem nächsten Ausflug mit der Familie nicht schon von der Ex die Rede ist.