Die grüne Bank am Bolzplatz hat ihren Standort geändert.

Sie steht jetzt in der Morgensonne. Ich sehe eine Krähe, die stolz über die Wiese marschiert. Neben mir blüht verschwenderisch eine Rosskastanie. Das Fräulein hat sich mit einem Stock in der Schnauze ins Gras gelegt. Kommt hier mal ein anderer Hund vorbei?

Ein Sonntagmorgen, wie ich ihn mir schöner kaum wünschen könnte. Die Temperaturen sind noch gemäßigt, die Sonne wärmt, ohne mich dazu zu bringen, mir die Kleider vom Leib reißen zu wollen. Das Grün ist frisch, alles wirkt üppig, mai-üppig.

Ab und zu höre ich das Geräusch einer Jalousie, die hochgezogen wird. Langsam wachen die Menschen auf, doch in den meisten Häusern ist es noch still. Auf den Straßen keine Autos, keine Motorräder. Alles wirkt friedlich, so friedlich, wie es zu einem Sonntagmorgen passt.

Ich habe inzwischen die Jacke ausgezogen, den Schal abgelegt und genieße die Kombination von Wärme und kühler Brise. Dabei denke ich schon mit Vorfreude an den Rhabarberkuchen, den es heute Nachmittag geben wird. Dafür werde ich mich tatsächlich eine Stunde in den Bus setzen und nach Hause fahren.

Nach Hause. Das klingt immer noch etwas eigenartig in meinen Ohren. Vielleicht muss Zuhause keine Stadt, kein Dorf sein. Manchmal genügt ein Haus, in dem Menschen leben, von denen ich mich willkommen geheißen fühle, wann immer ich von wo auch immer zurückkehre.

Der Mopedfahrer ist noch bei der kulturellen Landpartie, der Hausmann wird den Kuchen backen. Eine Überraschung für den Nachbarn von gegenüber, der vorgestern Geburtstag hatte, den er bisher allerdings noch nicht erreichen konnte. Deshalb hat er auch mein kleines Geschenk noch nicht übergeben können.

Inzwischen mache ich mir ein wenig Sorgen. Es ist noch nicht lange her, dass der Nachbar im Krankenhaus war. Seine Unerreichbarkeit kann natürlich bedeuten, dass er zu seiner Tochter gefahren ist. Aber bei Menschen über achtzig, die noch dazu den Tod der geliebten Partnerin verarbeiten müssen, liegt der Gedanke an etwas anderes leider ebenfalls nahe.

Ich hoffe trotzdem, dass meine Sorgen überflüssig sind und wir heute Nachmittag zu dritt im Garten sitzen und vergnügt kaffeetisieren. So sei es. Amen. Om. Howgh.

Ein Gedanke zu „Die grüne Bank am Bolzplatz hat ihren Standort geändert.“

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