Unter mir glänzte der See, neben mir glänzten die Augen des Fräuleins,

als wir gestern lange im Hundeauslauf zwischen See und S-Bahn unterwegs waren. Ständig trafen wir auf Artgenossen. Es wurde gerannt, getobt, bestiegen. Wer oben ist, ist Chef.

Meine Artgenossen hatte ich vorher im Eiscafé beobachten können, während ich – wahrscheinlich ebenfalls mit glänzenden Augen – meine beiden Kugeln Eis weggelöffelt hatte. (Vorgestern Kuchen mit dem Nachbarn, um den ich mir Gott sei Dank völlig überflüssige Sorgen gemacht habe, gestern Eis, wenn das so weitergeht, muss ich in ein paar Tagen zurück zur strengen Keto-Ernährung.) Nicht zu übersehen war ein Mann in schwarz-roter Leggings und einem Netzhemd gleicher Farbe, das seinen Bauch zur Hälfte freiließ. Großer Mann, großer Bauch, selbstbewusst, stolz.

Ebenfalls auffällig war eine Sechsergruppe. Sie hatten Mühe, den passenden Tisch zu finden. Einige wollten nicht in der Sonne sitzen, andere unbedingt. Das ging eine Weile hin und her. Irgendwann hatte einer der Männer einen Vierertisch gekapert, sich selbst einen Stuhl gegriffen, und dann stand er da und wartete, wie sich die anderen entscheiden würden. Die beiden anderen Herren wählten einen Zweiertisch im Schatten ganz in der Nähe. Alles gut, sagten sie, sie säßen bequem. Das war allerdings nicht erwünscht. Gemeinsamer Ausflug, gemeinsamer Tisch.

Als sie endlich zusammensaßen, wirkten ihre Gesichter leicht angespannt und betont heiter. Frei nach dem Motto: Dieses Herumgeeiere macht mir gar nichts.

Das Fräulein wurde quasi nebenbei auch wieder ein bisschen bekuschelt. Egal, wo ich mit ihr auftauche, es passiert immer wieder. Was daran liegen könnte, dass sie sich den Menschen gern vor die Füße wirft. Einer ihrer besten Freunde ist der Chef vom Seestern. Dort gibt es neben ausführlichen Zärtlichkeiten auch Würstchen. Ich denke, Letzteres sollte unser kleines Geheimnis bleiben.

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