Eben noch wollte ich mich an der Bushaltestelle in Havelberg in meine flüssigen Bestandteile auflösen, da saß ich schon in der kalten Regionalbahn (die R8 fährt wieder, juchu) und war froh über die Jacke, die ich mir über die Schultern legen konnte.
Bei meiner Ankunft in Buckow sitzt der Freund im Wintergarten. Da herrschen angenehme Temperaturen. Interessiert schaut er mich an. Und? Wie war’s?
Ich erzähle von meinem Ausflug. Von der Ayurveda-Massage, an die mein Körper sich mit Wohlbehagen erinnerte. (Warum musste ich da jetzt drei Jahre darauf warten? Hallo?) An die Gespräche mit der Freundin, die intensiver und klarer sind als früher.
Ich schildere den Spaziergang über die Spülinsel, die wilde Badestelle an der Havel, den in der Sonne glänzenden Fluss und die angenehme Kühle beim Schwimmen.
Abends sind wir noch einmal hinaus. Diesmal an der Havel entlang in die andere Richtung. Auch dort gibt es wilde Badestellen. Der Weg führt an kleinen Gärten vorbei, in denen die Rosenbüsche sich gegenseitig übertrumpfen wollen – mit Farben und Düften. Darüber die Glocken des Doms.
Echt jetzt? Alles für mich?
Und dann wurden wir auch noch Zeuginnen, wie ein Angler einen beachtlichen Hecht aus dem Fluss zog. Der hatte bestimmt siebzig Zentimeter. Der junge Mann hätte den Fisch wieder ausgesetzt, allerdings wollte seine Mutter ihn für die Küche.
Als er den Stock hervorholte, mit dem er den Fisch betäuben wollte, verabschiedeten wir uns und gingen weiter. Das Klopfen hörte ich allerdings noch eine Weile. Da machte jemand seine ersten Erfahrungen mit dem Töten. Ich wünschte, er hätte sie nicht ausgerechnet gestern machen müssen.
Heute Morgen habe ich dann die Frau von der Wohnungsverwaltung angerufen und gefragt, ob sie mich vergessen habe. Mich und mein Begehren. Aber nein, das hatte sie nicht.
Als ich ihr erzählte, dass der größte Teil meiner Besitztümer – die sieben Kisten und der Teewagen – bereits in Havelberg in einem Keller wohnen, lachte sie. Ich sei ja optimistisch.
Jetzt hoffe ich darauf, dass sie sich einen Ruck gibt. Frei nach dem Motto: Wenn die gute Frau ihre Sachen schon nach Havelberg gebracht hat, dann sollte ich mich vielleicht darum kümmern, dass sie die kleine Wohnung bekommt, die sie sich wünscht.
Der Freund hat sich meine Schilderung bis zum Ende angehört. Er lächelt. Und? Biste neu verliebt?
Ja. Bin ich. Verliebt in Havelberg.