In der Ferne tauchen die ersten Berge auf,

schreibt mir der Hausmann aus dem Zug. Er war aus familiärem Anlass mal wieder am Bodensee. Da er über München zurück nach Berlin fährt, macht er einen Abstecher ins Berchtesgadener Land.

Gerade habe ich überlegt, wo ich ihm das Bett richte. In der Vergangenheit haben wir immer in einem Zimmer geschlafen, wenn wir unsere jeweilige Wohnung einem Gast zur Verfügung gestellt haben. Hier ist mir das plötzlich zu eng. Wobei eng nicht das richtige Wort ist. Es ist eher so, dass ich lieber allein bin, wenn ich mich schlaflos wie ein Huhn am Grill im Bett drehe. Dazu kommt die blöde Prothesengeschichte, die ja eine relativ neue Entwicklung ist. Ohne Zähne im Mund bin ich auch lieber für mich.

Wie das wohl bei Paaren ist, die sehr lange zusammen sind? Packt da jeder abends seine Prothese auf den Nachttisch? Und wenn nur eine/r von beiden eine braucht – ist das nach so vielen Jahren noch mit Scham besetzt?

Ich stelle fest, dass ich ungern mit Fremden rede. Das liegt daran, dass ich beim Sprechen neuerdings lisple und leise Pfeiftöne produziere. Gestern hat mich eine Nachbarin angesprochen – nicht, dass sie neugierig wäre – aber was ich hier eigentlich mache? Die Frau S. wäre ich ja nicht, auch wenn sie mich kurz mit ihr verwechselt hätte. Von hinten sähen wir uns nämlich ähnlich.

Sie schaute mir während meiner zusammengestammelten, gelispelten und von sanftem Pfeifen begleiteten Antwort sehr genau ins Gesicht. Ich habe mich so unwohl gefühlt, dass mir sofort die Hitze in den Kopf schoss.

4 Gedanken zu „In der Ferne tauchen die ersten Berge auf,“

      1. Ja, vielleicht… Aber das war nicht als Kritik gemeint. Gerade die Vieldeutigkeit hat mich nicht nur amüsiert, sondern passt auch Zustand der Schlaflosigkeit. Liebe Grüße!

      2. Ach,ich habe Deine Worte nicht als Kritik wahrgenommen. Ich dachte beim nochmaligen Lesen nur, da würde sich auch ein Komma gut machen. Liebe Grüße

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