Der Ausflug an den Königssee

und zur malerisch gelegenen Wallfahrtskirche St. Bartholomä am Westufer wird verschoben. Wir vermuten, dass dort am 1. Mai zu viele Touristen unterwegs sein werden. Auch wir sind Touristen, aber muss man sich deshalb in die Menge stürzen? Mann und Frau finden, dass dazu keine Notwendigkeit besteht.

Nach dem gestrigen Besuch am Thumsee können wir heute gut einen faulen Tag einlegen. Gemütlich auf der Terrasse sitzen und die Stare beobachten, fütternde oder nestbauende, und schauen, ob die Berge noch da sind. Sind sie. Verlässliche Größen. Nicht zu nah – das hätte etwas Einengendes –, aber nah genug, um ihre Schönheit zu bewundern.

Später kommt Appetit auf etwas Süßes auf. Ich war noch immer nicht im Eiscafé, aber Kaffee und Kuchen mit Panoramablick in dem netten Café mit Bergpanorama wären auch eine Option. Auf dem Weg dorthin geraten wir plötzlich mitten in ein Maifest. An langen Tischen und Bänken sitzen Menschen, viele Familien in Tracht. Es gibt Stände mit Kaffee, Kuchen, Herzhaftem, Getränken, und eine Blaskapelle spielt die passende Musik dazu. Vor dem aufzurichtenden Maibaum bereiten sich junge Männer in Lederhosen und weißen Hemden auf ihre große Aufgabe vor.

Obwohl das Ganze gar nicht allzu abschreckend auf uns wirkt, ziehen wir doch das Café mit dem wunderbaren Blick vor. Ohne Blasmusik. Beim Kuchen hat der Hausmann das bessere Händchen. Ich hätte auch die Eierlikörtorte nehmen sollen, aber hätte, hätte.

Zurück gehen wir einen Umweg. Wir machen einen kleinen Spaziergang hin zur Kirche, von der ich bisher nur die Spitze gesehen habe. Der Weg führt mitten durch Wiesen, hinter einer Hecke finden wir sogar eine sonnige Bank mit Bergblick. Aber welcher Berg ist es, der immer wieder unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht? Der Hausmann fragt zwei Kinder, später ein junges Paar. Sie wissen es nicht.

Das alte Dorf Ainring mit seiner netten Kirche St. Laurentius lässt mich gleich wieder träumen. Hier würde ich gern wohnen, aber das denke ich auch immer, wenn ich mit dem Rad zum Bäcker fahre.

Das ältere Paar, das der Hausmann am Ende unseres Spaziergangs noch einmal nach dem Namen der Berge fragt, weiß nicht nur, dass es sich tatsächlich um den von mir vermuteten Untersberg handelt – recht daneben die schlafende Hexe, zwischen den beiden Massiven protzt in der Ferne der Watzmann – sie vermieten demnächst auch eine Wohnung.

Und ich? Ich notiere mir Straße und Hausnummer.

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