Gefunden in einem Interview zwischen Georg Stefan Troller und Satprem

„Personenbeschreibung“ – Georg Stefan Troller, ZDF-Interviewreihe (1972–1993)

Der Sinn des Lebens? Die Frage ist schon die Antwort. Die Antwort ist in die Frage enthalten, in der Intensität, in der Dringlichkeit, in der Unablässigkeit, mit der wir persönlich die Frage stellen. Die Antwort ist wie die Frage etwas Erlebtes, ein Weg, ein Abenteuer. Das Feuer, das in uns brennt. Alles übrige ist intellektueller Zeitvertreib, etwas, das sich nur im Kopf abspielt. Diese Augenblicke, in denen wir ganz bei uns sind,  das „Ça“, die müssen wir auf unser ganzes Leben ausdehnen.

Gefunden in H. D. Thoreau: Walden

 

Auch verlange ich von jedem Schriftsteller, zu Anfang oder am Ende, einen einfachen, aufrichtigen Bericht über sein eigenes Leben, und nicht einen solchen über das Leben anderer Leute. Einen Bericht, wie er ihn wohl aus fernem Lande seinen Verwandten zukommen ließe; denn wenn er aufrichtig gelebt hat, so muss das fern von hier gewesen sein.

Gefunden in der TAZ, Interview mit Marina Abramovic (2012)

 

Ich setze mich dem Schmerz nicht wirklich bewusst aus. In meinem Privatleben versuche ich, Schmerz zu vermeiden. Ich mag Schmerz auch gar nicht. Aber denken wir doch mal über den Menschen und über die Kunst nach: Die wenigen Dinge, mit denen Menschen noch immer Probleme haben, sind ihre Sterblichkeit, Leiden und Schmerz. Davor haben wir Angst. Ich habe bei meiner Arbeit schon sehr früh herausgefunden, dass ich mich nicht verändern werde, solange ich immer nur Dinge tue, die ich mag. Nur wenn du Dinge machst, vor denen du Angst hast, die du nicht wirklich kennst oder die sogar völliges Neuland für dich sind, nimmst du neue Perspektiven ein. Du erreichst ein anderes Bewusstsein. Genau das ist mein Ziel.

Gefunden in Marcel Proust: Wiedergefundene Zeit

 

Was wir nicht durch unser persönliches Bemühen erst haben entziffern, erst haben aufhellen müssen, was schon klar war, ehe wir darauf stießen, gehört uns nicht eigentlich an. Aus uns selbst kommt nur, was wir ganz allein aus dem Dunkel unseres Inneren herausholen und das den andern unbekannt ist.

Gefunden in Hansjörg Schertenleib: Das Regenorchester

Ich habe mir nie ein anderes Leben gewünscht oder vorgestellt. Sich ein anderes Leben wünschen bedeutet doch, dass man ein anderer Mensch sein möchte. Dass man lieber andere Erfahrungen gemacht hätte. Dass man lieber andere Menschen kennengelernt hätte…Bin ich zufrieden mit dem Leben, das ich hatte? Ja, das bin ich.
Ich will mir das, was ich nicht vergessen kann, noch so lange wie möglich bewahren, immerhin macht es mich aus. Wer sich an nichts erinnert, hat nichts zu verzeihen. Ich will mein Leben kennen, nicht neu erfinden. Darum habe ich es dir erzählt, Sean.

Gefunden im Hamburger Bahnhof: Julian Rosefeldt. Manifesto (2016)

Lebbeus Woods (Epilogue)

I know only moments and lifetimes that are as moments, and forms that appear with infinite strength. Then ‚melt into air‘.

Paul Eluard (1920)

We see everything, we love nothing. We’re indifferent. We’re dead but we’re not rotting because we never have the same heart in our breast, nor the same brain in our head. And we suck everything around us, we do nothing.

Francis Picabia (1920):

One dies as a hero, one as an idiot, which is the same thing.
The only word which is not ephemeral is the word death.

Gefunden in James Hillman: Vom Sinn des langen Lebens

 

Der Charakter nötigt mich, jedes Ereignis auf meine ganz eigene Art und Weise zu betrachten. Er zwingt mich, anders zu sein als die anderen.
Ich gehe auf seltsame Weise durchs Leben. Niemand geht so wie ich,
und das ist mein Mut, meine Würde, meine Integrität, meine Moral — und mein Verderben.

 

Gefunden in Jörg Bernig: Der Wehrläufer

 

Am besten gefielen ihm sowieso Sätze, wie ‚Es regnete.‘ oder ‚Wind kam auf.‘ oder ‚Sie lachte.‘. Bizarr, dachte er.

Überhaupt glaubte er an manchen Tagen, die Gedanken eines anderen Menschen zu denken. 

Das Sonnenlicht fiel in Stücken durch die Buchenblätter und zerschellte auf dem Gras zu Füßen der Musiker.