He changed my mind

Während ich Charles Eisensteins Buch über die schöne neue Welt, die unser Herz kennt lese – ein Buch, das meine Sicht auf Veränderungsmöglichkeiten erweitert –, erinnere ich mich an einen anderen Mann, der mein Leben zwar nicht verändert, ihm aber einen frischen Impuls gegeben hat. Lange wusste ich nicht, wie ich Niksas Arbeit beschreiben sollte. Was ich wusste: Diese erste Woche mit ihm gehörte zu den denkwürdigsten meines Lebens.

2016 hatte ich eine Fortbildung zur Flüchtlingshelferin begonnen, war nach einigen Wochen jedoch krank geworden. Das alte Leiden, Teil einer PTBS, das immer dann aufflammt, wenn ich in Situationen feststecke, aus denen ich nicht ohne Schuldgefühle entkommen kann. Und während ich krank zu Hause auf der Fensterbank saß, erreichten mich plötzlich merkwürdige WhatsApp-Nachrichten. Ein neuer Lehrer, Kroate, ein Mann vom Theater, ein Regisseur unterrichtete „Kreative Techniken“ und bewirkte damit offenbar etwas völlig Ungewöhnliches. Menschen, von denen ich nie poetische Töne gehört hatte, schrieben mir, sie fühlten sich leicht, frei, glücklich wie Kinder.

Ich ging nur wegen Niksa zurück. Ich wollte wissen, was da geschah. Zumal einige meinten, dieser Mann tue genau das, was mir selbst so viel Freude bereite. Was hatten sie von mir, von meinem Wesen wahrgenommen?

Dann begann diese Woche, in der ich staunte – und in gewisser Weise ununterbrochen beschenkt wurde. Setz dir eine rote Nase auf und sei jemand anderes. Rede in einer Fantasiesprache mit Menschen, die deine Sprache nicht sprechen. Male mit fünfzehn anderen ein gemeinsames Bild. Lass dir die Augen verbinden und zeichne dein Gesicht – erstaunlich nah an dem Zustand, in dem du dich befindest. Höre Gedichte, schreibe welche, tanze, singe, lache sie.

Heute bin ich überzeugt, dass Niksa den Deckel anhob, der über unserer inneren Quelle liegt. Was viele mit ihm erlebten, würde man in einem anderen Kontext eine spirituelle Erfahrung nennen. Wir waren in Kontakt mit etwas Ursprünglichem: Liebe, Lebendigkeit, Kreativität. Ob ihm selbst klar war, welche Türen er öffnete, weiß ich nicht. Aber er tat es.

Von mir wusste ich immer, dass bestimmte Momente mich mit etwas Heilendem verbanden. Nicht umsonst hatte ich oft gesagt, ich hätte mich vielleicht umgebracht, wäre das Schreiben nicht mein Ventil geworden. Ich kannte diese innere Quelle. Und nun, in diesem vom Jobcenter finanzierten Kurs, geriet ich gemeinsam mit anderen Menschen in einen Flow, der in seiner Unmittelbarkeit stärker und bewegender war als alles, was ich bisher erlebt hatte.

Am Ende dieser Woche saß ich eine Stunde auf einer Bank am Mexikoplatz und schwebte, bebte, sprudelte wie der Springbrunnen in der Mitte des Platzes. Ich wusste nicht, wie ich auf diese weiße Bank gelangt war; irgendeine S-Bahn musste mich hergebracht haben. Heimgehen war unmöglich. Ich saß dort und überließ mich meinen Gefühlen. Wäre ich im Mittelalter geboren, hätte ich mich vermutlich selbst auf den Scheiterhaufen gebracht, weil ich über den Platz gerannt wäre und geschrien hätte: Gott ist in mir. Stattdessen saß ich still und wusste: Das hier ist außergewöhnlich.

Es dauerte, bis mein Zustand sich wieder beruhigte. Dann „flog“ ich nach Hause.
Als ich einige Tage später versuchte, einer Freundin davon zu erzählen, gelang es nicht. Meine Beschreibung wurde als zu überbordend empfunden. Aber das spielte keine Rolle. Ich hatte erfahren, was ich erfahren musste.

 

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