Meisen, die sich gegenseitig von den Knödeln wegschubsen, bis der Specht kommt.
Die mit grüner Folie abgedeckten Heuballen, die heute nicht qualmen.
Die braune Kuh mit den Hörnern an ihrem Futterplatz, sehr schwanger.
Die kahlen Birken am Waldrand. Ihre weißen Gerippe leuchten vor dem dunklen, grün-braunen Hintergrund.
Auf dem Tisch das Adventsgesteck, das der Hausmann nach meiner Idee hergestellt hat. Sehr gut ist es geworden. Schlichte Fichte auf einem Stück Birke, ein paar rote und weiße Beeren, rote Kerzen. So mag ich das. Nicht überkandidelt. Schon gar kein Lametta.
Daneben das Buch, das gestern mit der Post gekommen ist und meine Erinnerung an meinen ersten Besuch in Prag wieder geöffnet hat. Jörg Bernig. Der Wehrläufer. Eine Geschichte aus Prag. Von einem Schriftsteller, der für ein paar Monate dorthin geht, um an einem Buch über einen Maler weiterzuarbeiten. Schon der letzte Satz im Klappentext hatte mir Gänsehaut bereitet: „Und endlich stellt er sich der tief in die Vergangenheit reichenden Ahnung, woher seine Einsamkeit rührt.“
Ich hatte nicht gewusst, dass man Prag auch die Mutter der Städte nennt. Praga Mater Urbium. Der Leitspruch der Karls-Universität. Von Jörg Bernig hatte ich bis vor Kurzem ebenfalls nichts gewusst. Vor zwei Wochen hörte ich seinen Namen zum ersten Mal, als ich ihn auf dem YouTube-Kanal von Michael Meyen in einem Interview sah. Wie ich dort erfuhr, wird Bernig den „Neuen Rechten“ zugeordnet und ist damit in der Öffentlichkeit kaum noch vorhanden. Journalisten der TAZ, der ZEIT haben dem Autor im vorauseilenden Gehorsam gegenüber der woken Meinung dieses Etikett verpasst. Wer mehr erfahren möchte, kann sich bei der Gesinnungspolizei Wikipedia informieren.
Ein Randbewohner also. Die finde ich ja interessant. Nach ein wenig Recherche habe ich mir das Buch bestellt, dass mich bei der Inhaltsangabe besonders angesprochen hat. Prag. Schriftsteller. Erinnerungen. Einsamkeit.