Im Nachbargarten flattert eine Spatzengang herum

In „meinem“ Garten versucht eine Elster, eine andere zu verjagen. Dazu fliegen sie schon mal knapp über dem Erdboden um einen Busch herum. Das sieht witzig aus. Peace, rufe ich ihnen zu. Frieden. Von dem Geschehen unbeeindruckt eine Nebelkrähe, die irgendetwas aus dem Gras gepickt hat.

Für den Frieden laufen in den USA Mönche aus einem texanischen Vipassana-Zentrum. Im Oktober sind sie losgelaufen, im Februar werden sie in Washington eintreffen. Eine Freundin hat mir einen Link dazu geschickt. (Nebenbei gesagt bin ich sehr froh, dass ich Menschen kenne, gar zu meinen Freunden zähle, die auch nicht metaphorisch mit dem Säbel rasseln, sondern sich für Frieden und Freiheit engagieren. Sind in den Jahren deutlich weniger geworden.)

Ich habe gleich eine kleine Recherche gestartet, in den Leid-Medien aber keine Artikel gefunden. Wundert mich das? Wundert mich nicht. Mit Frieden können sie hierzulande wenig anfangen. Dafür habe ich einen schönen Text auf dem Portal Bahnhofkirche.ch gefunden.

…In einem Land, das zurzeit geprägt ist von vielerlei Spaltungen und Vertrauensverlust, wissen die buddhistischen Mönche, wofür sie gehen. Mit ihrer schlichten Geste berühren sie die Menschen, und viele kommen an die Strassenränder, um die Mönche zu unterstützen und sich von ihnen ermutigen zu lassen. Mit dem «Walk for Peace» erinnern die Mönche daran, dass es Anderes gibt als das Schlimme, das uns tagtäglich in den Nachrichten präsentiert wird. Der einfache Hinweis der Mönche auf Frieden, Mitgefühl und Gewaltlosigkeit hat eine Wirkung in den Herzen, und dort nimmt jede Veränderung ihren Anfang. Wofür gehen Sie, liebe Leserin, lieber Leser?

Und jetzt sitze ich hier und überlege. Wofür gehe ich? Was ist mir wichtig? Spontan fallen mir Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, die Würde des Menschen – die ja angeblich unantastbar ist – Dankbarkeit, Authentizität und Liebe ein. Zumindest sind das Themen, die mich in Diskussionen, beim Schreiben begleiten. Die mich manchmal auch auf die Straße schicken (auf staatlich verordnete oder gewünschte Demos allerdings nicht.)

3600 km wie die Mönche würde ich nicht schaffen. Mir tun ja schon nach zwei Stunden Spaziergang im Britzer Garten die Hüften weh.

6 Gedanken zu „Im Nachbargarten flattert eine Spatzengang herum“

  1. Ja, das sind schöne Gedanken, aber Frieden is aus sich heraus leider nicht flugfähig, auch wenn die Mönche 3600 km laufen, das ist sehr beeindruckend für uns, aber nicht für Trump und Putin und so viele andere. Solange es aber solche Menschen in Amt und Unwürden gibt, nützt auch die schönste Friedensdemo nicht viel. Eine Lösung für dieses Dilemma habe ich leider auch nicht.

    1. Ich glaube auch nicht, dass das Trump, Putin oder die Vasallen beeindruckt. Aber Kriege werden nicht nur von Regierungen geführt, sie werden von Menschen innerlich mitgetragen. Und genau da setze ich an: Ich verweigere die innere Beteiligung. You may say I’m a dreamer. But I’m not the only one.

  2. „Der Frieden ist keine Nachricht.“ Eine uralte Journalistenweisheit.
    Vor nicht allzu langer Zeit drohte ich selbst zum News Junkie zu werden, schlief darob immer schlechter und nervte die Familie durch die Weiterverbreitung von Horrormeldungen. Diese Nachrichtensucht unserer Zeit trägt ihren Teil dazu bei, den Unfrieden im Großen und im Kleinen zu schüren.
    Um nicht missverstanden zu werden: Ich bin ausdrücklich für Meinungs- und Pressefreiheit, aber es ist auch nicht wegzudiskutieren, dass Untaten stets Nachahmer finden.

    1. Ich verzichte seit langem auf Nachrichten. Vor allem auf verordnete. Und stelle fest: Es sind die scheinbar kleinen und unbedeutenden Dinge, die mein Leben – aller Horrormeldungen und Panikmache zum Trotz – immer noch lebenswert machen.

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