Sonntag. Sofa. Serienmörder.

Im Block gegenüber leuchtet vereinzelt noch Weihnachtsdeko. In der obersten Etage steht auf einem Balkon ein einsamer Weihnachtsmann. In der Birke eine Taube und Nebelkrähen, dunkle Schatten vor dem grauen Himmel.

Im Traum war ich in Buchholz, in der Laube meiner Großeltern, die längst nicht mehr leben. Ich war wegen meiner Mutter dort. Ihr Mann war gestorben. Nach einer Weile sah ich sie im Nachbargarten, den sie früher tatsächlich gepachtet hatte, um meiner Großmutter einen Gefallen zu tun, die dort keine Fremden wollte.

Meine Mutter stand zwischen den Beeten, den Arm voller Blumen, die sie gerade gepflückt hatte. Selbst im Garten sah sie chic aus: orangefarbene Bluse, graue Shorts. Ihr Blick ging in die Ferne, ein wenig abwesend. So, wie ich sie als Kind oft gesehen habe.
Ich ging zu ihr, nahm sie in den Arm und sagte ihr, wie leid es mir tut. Sie weinte nicht. Sie wirkte auch nicht traurig. Sie erzählte, sie habe jemanden kennengelernt, der ihr geholfen habe, die Laube ein wenig herzurichten. Früher sei er Künstler gewesen, habe 360.000 verdient. Mit seiner Kunst? Nein, mit Büroartikeln.

Dann bin ich aufgewacht. Mit leichter Wehmut und zärtlichen Gefühlen für meine tote Mutter. Und sehr froh darüber, nach dem Krimi über einen Serienmörder, dem Harry Hole auf der Spur ist, keinen Albtraum gehabt zu haben. Dabei habe ich die gruseligsten Stellen bzw. gut ein Drittel des Romans gar nicht gelesen. Aber ich will wissen, wie Nesbø die Geschichte auflöst. Ich glaube nicht an einen Einzeltäter. Ich habe einen Verdacht. (Und eine Liste mit Bandnamen, die ich lange nicht gehört habe, von denen ich mir aber unbedingt wieder Stücke anhören will. Sie laufen in Harrys Bar. Heute Abend ist Frauenabend. Nur Top-Ladys über fünfzig: Lucinda Williams, Emmylou Harris, Patti Smith, Chrissie Hynde…) Ja, in diesem Krimi hat der Dozent und Ermittler am Ende auch eine Bar, sehr sympathisch, jetzt muss ich mich auch wieder um ihn kümmern.

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