Ein. Aus. Ein. Aus. Nur die Nasenspitze hört mein Seufzen, die Stelle, an der die Luft vorbeistreift. Eigentlich liebe ich das Meditieren. Eigentlich – ein blödes Wort. Es impliziert, dass ich es gern tue und trotzdem selten mache.
Schön beobachtet, Prinzessin. Darf ich dich darauf hinweisen, dass du auch jetzt nicht meditierst? Wer denkt, meditiert nicht.
Danke, Klugscheißerin.
Ich atme ein. Nein – ICH ist auch nicht gut. Das Ich macht mir Sorgen, weil es sich ständig wünscht, woanders zu sein. Ich würde dieses Ego gern loswerden. (Das war jetzt wieder Denken.)
Im Keller trudelt die Waschmaschine, auf dem Terrassendach klappern Regentropfen. HÖREN. Seit ich alles etikettiere, macht Meditieren mehr Spaß.
Du glaubst also tatsächlich, dass du meditierst?
Ist ja schon gut.
Ein. Aus. Ein. Aus. Zehn Sekunden vielleicht, dann denke ich wieder: Ich kann so nicht weiterleben. Dieses Gequatsche im Kopf. Seit Wochen.
Und natürlich wäre es mir recht, wenn sich in diesem Moment der liebe Gott melden würde. Oder das Universum. Oder meine Seele.
Bevor du losquatschst: Nein, du bist nicht meine Seele.
Hauptsache, es meldet sich überhaupt jemand. Am besten mit Buchvertrag. Gespräche mit der Göttin in mir. Oder Meine Seele sagt.
Du meditierst nicht.
Ich weiß.
Warum will ich alles festhalten? Warum denke ich bei fast allem: Das müsste aufgeschrieben werden?
Du willst über deine wunderbaren Meditationserfahrungen schreiben? Wer hindert dich? Übrigens – du meditierst schon wieder nicht.
Im Haus knackt es, irgendwo schlägt eine Tür. HÖREN.
Im Bauch gluckert es. FÜHLEN.
Die Stelle im Rücken beobachte ich. FÜHLEN.
Manchmal denke ich, mein Körper reagiert stellvertretend für mich, damit ich merke, wenn die Kacke am Dampfen ist.
Wie gewählt du dich ausdrückst.
Vielleicht gibt es einen Grund für diese Schmerzkrankheit. Vielleicht, weil ich lange nicht fühlen wollte.
Ein. Aus. Ein. Aus.
Seltsam: Ich spüre den Oberkörper, dann ein kleines Loch – nichts? – und dann den Unterkörper. Zwei Hälften. Wie meine Psyche. Wie mein Ich. Wenn ich denn wüsste, wer dieses Ich ist.
Meditieren ist wunderbar. Still sitzen. Nach innen schauen. Quatschen. Zehn Sekunden hält es, dann melden sich Schmerzen: Rücken, Bauch. Ich atme hinein, ohne Hintergedanken.
Früher dachte ich: Lieber Schmerz, ich schenke dir Aufmerksamkeit, aber nur, damit du verschwindest. Das klappt nicht – der Schmerz merkt, dass ich ihn nicht seinlassen will.
Seit zwei Jahren beobachte ich ihn nur noch. Ohne Wunsch. So what. Seitdem geht es mir besser. Manchmal verschwindet er.
Allerdings vergesse ich oft, dass genau dies hilft: Beobachten. Nicht wollen. Stattdessen denke ich zu viel. Mache mir Sorgen: Konto, Jobs, zu wenig, zu viel, alles. Ich kann mir über fast alles Sorgen machen, wenn ich es darauf anlege.
Man könnte sagen: Ich kämpfe mit dem, was ist.
Und dann schaltet sich der Körper ein. Wenn es ganz arg wird, teilen sich Körper und Psyche die Aufgabe des Aufrüttelns. Warum das immer in den Wochen vor meinem Geburtstag passiert, weiß ich nicht.
Eigentlich (das Wort mag ich nicht) könnte mir früher ein Licht aufgehen. Das Gequatsche wird lauter, und ich höre mit dem Schreiben auf. Es nützt ja sowieso nichts. Niemand will es lesen. Ich lasse es sein. Ich kann es außerdem nicht. Eine Erkenntnis, die ich hundertmal hatte.
Vielleicht bedingt die Schreibpause die depressive Phase. Vielleicht ist es umgekehrt. Huhn, Ei. Keine Ahnung. In jedem Fall quatscht es ohne Ende. Und es ist nicht angenehm.
Da hilft nur eins: Das Experiment muss abgebrochen werden.