Von wegen Stille der Nacht

Wach um 3.30 Uhr. An meinem Bett keine Dämonen – danke an die Zuständigen -, dafür höre ich durch das leicht geöffnete Fenster Geräusche von draußen. Sie erinnern an das Greinen eines Säuglings. Unser Kater. Und ein zweiter. Der Rote vom Bauern wahrscheinlich. Auch wenn der Schnee alles viel heller macht als sonst, sehe ich nichts.

Aber ich habe die beiden schon einige Male in der Dämmerung beobachtet, wenn sie auf dem Plattenweg in gebührendem Abstand saßen und sich ankreischten. Meine Recherche hatte ergeben, dass man dieses Vorgehen agonistisches Distanzverhalten nennt. Ich bin stolz auf unseren Kater. Heißt es doch nichts anderes, als dass er Eskalation vermeidet. Er sagt dem anderen lediglich sehr nachdrücklich: Geh weg, hier ist mein Reich. Da wird nicht gekloppt, da zeigt sich einer sozial kompetent.

Kaum habe ich mich wieder in meine Decke gekuschelt, geht ein anderes Geschrei los. Die Waldkäuze. Nicht einer, nicht zwei – das könnten drei sein. Gleich neben mir im Wald stecken sie mal wieder akustisch ihr Revier ab. Das machen sie gern im Januar oder Februar. Ich bin noch da. Hier ist besetzt. Vielleicht handelt es sich um ein Paar mit einem Jungvogel, oder es sind Vögel aus zwei angrenzenden Revieren.

Dazu kommt, dass meine nächtliche Aufwachzeit auch bei den Käuzen Prime Time ist. Nachts sind die Mäuse aktiv, die sich unter der Schneedecke Gänge graben, die ihre Nester verbinden. Und all die Aktivitäten hören die Käuze. Die markieren um diese Zeit nicht nur ihre Reviere, sie jagen auch.

Man könnte sagen, es ist immer etwas los. Wie zur Bestätigung fängt auch meine kleine Küchenmaus unter der Spüle an zu rascheln. Bitte. Wenn du da noch etwas gefunden hast. Du kannst auch mal oben in dem silbernen Häuschen nachschauen. Da gibt es Speck und Käse!

2 Gedanken zu „Von wegen Stille der Nacht“

  1. „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“ ist ein Roman von Eric Malpass (Erstveröffentlichung in Deutschland 1967). Ich habe damals den Vorabdruck (wenn ich mich recht erinnere, im „Stern“) gelesen, und seither geht der Titel mir oft durch den Kopf. Nach der Lektüre Deines Berichts würde ich eher sagen: Morgens um sieben ist die Welt wieder in Ordnung. (Oder leider eben auch nicht.)

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