beobachte ich den Mäusebussard, der auf dem Pfahl rechts von meinen Fenstern sitzt. Ganz ruhig sitzt er da, bevor er seinen Posten verlässt und über die Wiese gleitet. Kurz bevor er aus meinem Sichtfeld verschwindet, stürzt er sich hinunter. Er hat etwas entdeckt.
Ähnlich wie die Waldkäuze jagen die Bussarde mit den Ohren. Die einen sind nachtaktiv, die anderen tun es am Tage. Aber auch die Bussarde nehmen allerfeinste Geräusche wahr: eine Maus oder Wühlmaus, die unter dem Schnee vielleicht gerade die Wohnung putzt oder einen neuen Gang anlegt. Sie nutzen hohe Ansitze wie Bäume, Pfähle, Hochspannungsmasten, suchen von dort mit Augen und Ohren große Flächen ab, schätzen die Stelle und stoßen dann fast senkrecht durch den Schnee. Aas fressen sie im Winter auch, aber nur, wenn sie nichts Anderes finden. Hier finden sie immer noch etwas.
So wie auch mein neugieriger Geist immer wieder etwas findet, an dem er herumkauen kann. Den Physiker Hans-Peter Dürr hätte ich gern kennengelernt. Er gehört für mich in dieselbe Linie von Denkern wie Bernardo Kastrup, Federico Faggin, Amit Goswami. Zu jenen Wissenschaftlern also, für die das Bewusstsein das Primäre ist. Materie, Raum, Zeit, Gehirn – das sind lediglich Ausdrucksformen.
Für Hans-Peter Dürr war die Welt ein Resonanzgeschehen. Der Mensch verändert, in dem er wahrnimmt. Und weil er dies so klar sehen konnte, hatte seine Physik moralische Konsequenzen. Wenn alles verbunden ist, ist Ausbeutung immer Selbstverletzung. Ist Krieg immer ein Irrtum über Getrenntheit. Deswegen setzte er sich für Frieden, Umwelt, Abrüstung, Dialog ein. Und ich atme ein Stück Hoffnung, wenn ich von solchen Menschen höre, auch wenn sie schon gestorben sind.