Ein braunes macht Bocksprünge. Manchmal haben die Kühe Anwandlungen, wenn sie guter Laune sind. Dann machen sie schon mal Freudensprünge. Doch meist trotten sie gemütlich mal in die eine, dann in die andere Richtung, falls sie nicht sowieso an einer Stelle stehen und fressen.
So wie gestern Abend, als wir beim Apéro saßen und sie beobachteten.
„Jetzt stehen sie alle zusammen und planen die Übernahme der Weltherrschaft“, sagte der Hausmann.
„Von mir aus können sie übernehmen.“ Und das meinte ich ernst. „Ich vermute, die Welt wäre eine friedlichere.“
Der Hausmann spann den Faden weiter. „Sie würden uns vermutlich nicht schlachten.“ „Vermutlich nicht. Zumal sie als erstes noch schnell ein paar Bissen nehmen würden. So sind Kühe. Nicht nur Kühe. Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“
Und die Kühe – haben die eine Moral?
Eine Kuhmoral.
Ich habe gerade eine miese Arbeitsmoral. Seit Tagen ist das Chaos ausgebrochen, das zu zähmen bzw. zu beenden mir die Lust fehlt. Ich fange etwas an, vertüddele mich, und nach zwei Stunden habe ich keine Lust mehr. Überall Kisten – verschlossene, geöffnete – daneben Taschen, Tüten, es ist zum Heulen. Oder zum Auswandern.
Wie kommt jemand, der im Herzen (wenigstens da) Minimalistin ist zu so viel Zeug?
Ich entschuldige mich mit der Ausrede, dass in den meisten Kisten Bücher sind.
Aber wolltest du die nicht??? Ja, wollte ich. Ich wollte meinen Besitz noch einmal drastisch reduzieren. Stattdessen behalte ich das meiste. Acht größere und ein paar kleinere Kisten zur Bekannten in den Keller in Havelberg, dazu ein Rad, ein Regal, mein geliebter Teewagen, und der Rest – zwei Kisten, diverse Taschen und Tüten – zum Buckower Freund. Ein dritter Stapel kommt zum Recyclinghof.
Ich könnte jetzt noch ein bisschen was erledigen, wäre ich nicht gleich zum letzten gemeinsamen Kaffeetisieren bei den Nachbarn geladen. Der Hausmann hat Rhabarberkuchen gebacken.
Da kann ich nicht absagen.