lag der Hund nicht vor meiner Zimmertür. Ich vermutete, dass er auch diese Nacht im Obergeschoss verbracht hat und dort noch etwas herumlümmelte. Oben ist es wärmer. Die Nächte sind hier schon ziemlich kühl, sieben Grad.
In der Küche rannten mir die üblichen Verdächtigen entgegen und forderten ihr Futter. Dann hörte ich eigenartige Geräusche. Eine Art Fiepen. Sie kamen von draußen. Und wer stand vor dem Eingang zum Wintergarten? Der Hund. Der offensichtlich gestern Abend draußen war, als ich hier die Schotten dicht gemacht habe. Tut mir leid. Du Armer. Musstest du Wache schieben? Oder hast du dich in deine Hütte gelegt? Seinem Nicken, Quietschen und Wedeln konnte ich keine Antwort entnehmen, er bekam so oder so ein Leckerli. Ausnahmsweise.
Seit zwei Tagen sind die Störche fort. Die Erwachsenen mit ihren zwei Jungen. Das Nest ist leer. Ich bedauere, dass ich sie nicht länger beobachtet habe. Ich dachte, ich hätte noch Zeit. Und nun haben sie sich auf den Weg in den Süden gemacht. Unabhängig voneinander, wie ich inzwischen weiß.
Gestern Abend war ich mit einer Freundin und ihrem Hund auf der großen Wiese. Wir wollten wenigstens ein bisschen was von der partiellen Sonnenfinsternis mitbekommen. Brillen hatten wir nicht, also haben wir nicht direkt in die Sonne geschaut. Besonders spektakulär war das Geschehen am Himmel ohnehin nicht. Sehr schön dagegen die Stimmung auf der Wiese. Das flirrende goldene Licht über den Gräsern, über den darin laufenden Hunden, deren Fell sich kaum von der Farbe der Wiese unterschied. Magisch.
Während ich mir den zweiten Kaffee zubereite, höre ich ganz in der Nähe die Hühner. Sie werden es doch nicht wagen? Nein. Noch nicht. Aber sie stehen ganz dicht vor der Tür, die in den Wintergarten führt. Gib uns was zu fressen. Keine Körner. Gib uns die Leckerlies. Die getrockneten Maden. Du weißt doch, die mögen wir am liebsten. Gerda frisst sie mir inzwischen aus der Hand.
Für das gluckende Huhn hatte man mir eine Alternative vorgeschlagen. Falls ich mir das zutraue. Hallo? Es gibt einen zweiten Stall. In diesen habe ich das Huhn getragen. Ich habe es auf dem Weg dorthin beruhigt und ein wenig gestreichelt. In diesem zweiten Stall wird es drei Tage bei Wasser und Brot, pardon, Weizen verbringen. Danach sollte es das Glucken vergessen haben.
Wenn ich groß bin, möchte ich auch Hühner haben. Und einen Hahn. Aber nur, wenn er so nett ist wie der Hahn hier. Der gibt zwar ein bisschen an, aber sonst kümmert er sich um seine Weiber. Er lässt ihnen den Vortritt beim Fressen, er schlichtet Streitereien, hält Ausschau nach guten Plätzen, und sollte sich ein Angreifer aus der Luft zeigen, würde er alles tun, um ihn abzuwehren. Besonders aufdringlich ist er auch nicht, wenn eine nicht will – so what? Da habe ich schon andere Geschichten gehört. Von zerrupft aussehenden Hühnern.
In allen Trinkgefäßen ist frisches Wasser, das Gemüsebeet wurde beregnet, die Pflanzen in den Töpfen gegossen, da kann ich mich noch schnell mit meinem kleinen ersten Frühstück in die Sonne setzen. Der Hund folgt mir und schaut mich erwartungsvoll an. Gibst du mir was ab? Nein, mein Hase. Erst der Morgenspaziergang.
Heute gehen wir zum Butterbaum. Das war einer meiner Lieblingsplätze hier in der Gegend. Im Wald schnüffelt und gräbt der Hund, irgendwann ist der Kopf im gegrabenen Loch verschwunden und ich sehe nur noch das hoch aufgerichtete Hinterteil.
Während das Tier gräbt, stehe ich und lausche. Über mir in der Krone einer Kiefer klopft ein Specht. Insekten schwirren umher. Ich rieche den harzigen Duft des Waldes und kann mich gar nicht sattsehen an der Fülle, dem Licht.
Der kleine Tümpel am Butterbaum ist wie in jedem Sommer ausgetrocknet. Ein paar grüne Puschel stehen inmitten von Braun. Wie anders es dort im Winter oder Frühling aussieht, wenn Kraniche im flachen Wasser nach Nahrung suchen, wenn Grau- und Silberreiher neben Wildgänsen sitzen, wenn die Luft über dem Wasser voller Töne ist. Jetzt höre ich nur Insekten und im Wind flirrende Birken-Blätter. Nein, da ist noch eine leise Stimme. Sie gehört dem Hund, der mich daran erinnern möchte, dass er heute noch nichts zu fressen hatte. Ist ja schon gut, wir gehen nach Hause.
Man denkt, man ist dabei und hört sogar das Rascheln.
Wie schön. Dann warst du wohl wirklich ein bisschen dabei…