Danke für das Angebot, aber ich warte auf Abkühlung. Und ich warte drinnen. Draußen ist es mir zu warm. Selbst die Hühner nehmen mittags keine Sonnen-Sand-Bäder. Gerade als ich den Satz fertig geschrieben hatte, sah ich Gerda. In der prallen Sonne. Im Sand badend. Gerda eben. Die anderen sitzen irgendwo unter oder in Bäumen.
Das Huhn, das die letzten drei Tage bei Wasser und Weizen in Quarantäne war, habe ich heute Morgen zu den anderen gelassen. Kaum war es draußen, saß der Hahn auf ihr drauf. Ein kurzes Schütteln, dann war die Episode vergessen. Ich hoffe, dass es auch das Glucken vergisst.
Der Morgenspaziergang führte den Hund und mich zum Butterbaum. Schon gestern sind wir die längere Strecke gelaufen, dabei habe ich festgestellt, dass der Tümpel gar nicht vollkommen ausgetrocknet ist. In der Mitte gibt es immer noch Wasser. Und an den Rändern wächst frisches Grün. Gestern haben wir Kraniche aufgeschreckt. Ihre Laute sind jetzt häufiger zu hören.
Ein Vorteil der Hundespaziergänge liegt darin, dass ich telefonisch erreichbar bin, dass ich selbst Anrufe tätigen kann. Im Haus und im Garten sehe ich meist den Hinweis „Nur Notrufe“ oder man teilt mir mit, dass der Anrufer keine Nachricht hinterlassen hat. Welcher Anrufer???
Heute Morgen habe ich also die freundliche Frau zurückgerufen, die eine Wohnung in Lenzen vermietet und die mir gestern auf dem AB die Frage hinterlassen hatte, ob ich immer noch interessiert sei. Ja. Ich bin sehr interessiert. Übernächste Woche könnte ich kommen und mir die Wohnung anschauen.
Lenzen liegt an der Elbe. Eine kleine Stadt, sehr unspektakulär, aber die Natur drumherum. Ein See und das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe. Elberadweg. Könnte ich mir als Wohnort vorstellen. Vorstellen kann ich mir so einiges.
Unser Abendspaziergang wurde gestern musikalisch begleitet. Im Gutspark spielte eine Hiphop-Band. Sagt man das so? Band? Mit dabei ein Enkel einer meiner Interviewpartnerinnen. Sie hatte mir vorgestern eine Ankündigung für das Konzert vorbeigebracht.
„Ich sitze in der Badewanne, ich dusche“, hatte ich in den Flur gerufen. Ich hörte, wie sie „Das macht doch nichts“ sagte, dann stand sie schon in der Tür. Gut, dass ich wenigstens die Prothesen im Mund hatte, so war ich nicht völlig nackt.