Gerade habe ich die Einweisung für das Zusatzteil bekommen,

das sich oben auf der Waschmaschine befindet. Also. Wenn du alles in die Maschine geladen hast, oben rechts an dem Plastikkasten den Knopf drücken, dann leuchtet es hier in dem Fenster rot, und wenn du da drückst, dann siehst du ein grünes Licht. Jetzt kannst du bei der Maschine auf START gehen. Wenn der Waschgang zu Ende ist, dann an der Box wieder ausschalten. Ist doch gar nicht schwer, oder?

Das ist so einfach, dass ich darauf hoffe, es bis zum nächsten Waschen nicht vergessen zu haben. Diese Männer mit ihren praktischen Fähigkeiten. Als ich gestern bei der alten Schulfreundin war, wurde ihr Mann später zu einem Einsatz bei Nachbarn gerufen. Auch er gehört zu der Sorte Mensch, der das meiste selber baut, repariert. Allerdings steht ihm die Freundin da in nichts nach. Sie kann Mauern hochziehen, Fliesen legen, Gärten anlegen. Ich wurde Göttin sei Dank nicht gefragt, über welch besondere Fähigkeiten ich verfüge.

Wir haben uns vor zwanzig Jahren das letzte Mal gesehen, bei ihm ist es noch länger her. Und doch war es von Anfang an vertraut. Ich habe nicht gefremdelt. Im Gegenteil. Ich habe mich über Erinnerungen gefreut, die man eben nur mit Menschen teilt, die man noch aus der Schule kennt. Vielleicht nicht gerade über jene, dass die Freundin einmal nach dem Sportunterricht zu mir gesagt hatte, ich würde beim Rennen vor ihr herschwabbeln. Sie war immer stolz auf ihre Ehrlichkeit. Ha!

Das mit dem Schwabbeln war eigenartigerweise das erste, was ihr nach der Begrüßung und ein paar Sätzen in den Sinn gekommen war. Ich hatte die kleine Episode erst am Morgen dem Moppedfahrer erzählt. Und mit der redest du noch? Ja. Weil ich ein großes Herz habe.

Spaß beiseite. Es gibt in meinem Leben sonst keine Freundschaften, die die Schulzeit überdauert haben. Der Freund, der letztes Jahr gestorben ist, war eine Ausnahme, aber auch wir hatten eine längere Phase ohne Kontakt. Aber er war derjenige, der mich nach meinen Eltern am längsten – und vermutlich auch am besten – kannte.

Nun ist der Staffelstab weitergegeben. Denn während ich dies schreibe, ist mir aufgegangen, dass diese multibegabte Freundin die nächste ist. Wir kennen uns seit der neunten Klasse, seit der EOS, waren bis zu meiner Ausreise Freundinnen. Sie war – warum weiß ich nicht mehr – die erste aus dem alten Freundeskreis, die ich im Oktober 1989 nach acht Jahren Einreiseverbot in Ost-Berlin besucht habe. Sie erzählte damals von einem Flugblatt vom Neuen Forum, das in ihrem Briefkasten gelandet war. Ich habe gestern vergessen zu fragen, was sie damals von dieser Bürgerbewegung gehalten hatte.

Immer bleiben Fragen offen. Aber wer weiß, vielleicht sehen wir uns wieder. Vorgenommen haben wir uns das. Zumal es gestern keine despektierlichen Bemerkungen gab. Kein „mein Gott, bist du alt geworden“ oder „wie siehst du denn aus“. Wenn das so bleibt, kann sie mich gern in der Westprignitz besuchen.

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