Morgens strahlt der Park Ruhe und Beschaulichkeit aus

Wären die Geräusche von der Potsdamer Chaussee nicht, könnte man glauben, man wäre irgendwo auf dem Land. Zwei Männer machen Tai Chi. Sie bewegen sich synchron, wie in Zeitlupe. Das wirkt überaus elegant und geschmeidig.

Auf dem kleinen Teich steckt ein Entenmann kopfüber in der grünen Grütze. Ich überlege, ob er vielleicht tot ist, da sich so gar nichts an ihm bewegt. Aber dann hebt er den Kopf, und kurze Zeit später sehe ich auch das Entenweibchen herangeschwommen kommen.

Währenddessen wirft sich das Fräulein auf den Rücken, wälzt sich im braun-gelben Laub und streckt alle vier Beine in die Höhe. Später zerlegt sie ein paar Stöcke. Das ist eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen.

Obwohl ich 25 Jahre gar nicht weit von hier gelebt habe, habe ich den Yehudi-Menuhin-Park erst im letzten Jahr entdeckt. Was ich bedauere, da er so viel Ruhe ausstrahlt. Gerade morgens komme ich mit dem Fräulein gerne hierher.

Den Zehlendorfer Waldfriedhof dagegen kenne ich sehr gut. Ihn passieren wir auf dem Rückweg. Früher war ich oft im Sommer hier. Ich mochte neben der Kühle immer diese besondere Stille, wie man sie vielleicht nur auf Friedhöfen findet. Als würden die Toten dafür sorgen, dass es nicht zu laut wird. Leider ist der Friedhof für Hunde verboten.

Der schwarz-weiße Zottelhund, den ich vom Waldrebensteig aus gesehen habe, entpuppt sich bei nochmaligem Hinschauen als abgesägter Baumstamm.

Vor uns auf dem Bürgersteig übt ein kleiner Junge das Fahrradfahren, vor allen Dingen übt er das Absteigen. Die ersten Versuche misslingen. Er stürzt. Unerschrocken und ohne einen Ton des Jammerns steigt er wieder auf und macht weiter. Schon eine Minute später fährt er mit weit nach hinten über den Sattel ausgestrecktem Bein stolz an mir vorbei.

„Ist das cool?“

Seine Großmutter: „Das ist cool. Das sieht total cool aus.“

Im nächsten kleinen Park dann das Highlight dieser Morgenrunde: Ein anderthalbjähriger wuschliger kleiner Rüde nimmt die Einladung meines Fräuleins zum Toben an. Glücklich wirbelnd die beiden wild durch die Gegend. Die Chefinnen stehen ebenso glücklich daneben. Wir lieben es, wenn unsere Hunde mal richtig toben können.

Doch dann will sich der Kleine nicht trennen. Es ist nicht nur das Toben, das ihm gefällt, er ist im amourösen Rausch. Doch da ist mein Fräulein ganz klar. Wenn es ihr zu bunt wird, setzt sie sich auf ihr Teil, und da bleibt sie dann sitzen. Da soll der andere mal schauen, wo er weiterschnüffelt.

Das war doch alles recht nett bisher. Dabei steht das ultimative Highlight des heutigen Tages dem Fräulein noch bevor. Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, bekommt sie heute Abend von ihrem Freund im Seestern das Würstchen, das sie immer bekommt, wenn wir dort einkehren.

Gut, dass sie noch nichts davon weiß.

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