Der Moppedfahrer ist mit der Akkusäge unterwegs.

Wenn ich sehe, was er am Anbau vorbei Richtung Holzplatz in den hinteren Garten schafft, vermute ich, dass er den Vorgarten platt macht. Heute Morgen haben wir schon das Gästebett vom Nachbarn gegenüber geholt, das er mir für meine Wohnung geschenkt hat. Sogleich habe ich für Hausmann und Moppedfahrer ein Probeliegen anberaumt. Beide fanden es bequem.

Das Auto für den Umzug ist gemietet, ein Stoffschrank in altrosa ist bestellt. Die Recherchen laufen: Zweitsessel – schlicht, einfach, bequem und farblich zum alten Ledersessel passend –, Küchentisch, Fußbank mit Stauraum, günstiges WLAN.

Ein Helfer für Havelberg wurde mir gestern schon zugesagt. Von der KI habe ich mir die günstigste Route für die verschiedenen Abholstellen austüfteln lassen. Von Wittenberge ins Panketal, weiter nach Buckow, von dort nach Havelberg, zu guter Letzt nach Lenzen. Ziel erreicht.

Gerade als ich mich weiter meinen Recherchen widmen will, kommt eine Mail von der Mannheimer Freundin. Der Freund, über den wir erst vor kurzem bei ihrem Besuch geredet haben, ist gestern gestorben. Ich habe ihn vor mehr als zwanzig Jahren auf einer Party im Taubertal das letzte Mal gesehen, seitdem hatten wir keinen Kontakt.

In den 80ern waren wir zwei Jahre lang ein Paar. Die wilden 80er. In denen wir offene oder auch Dreierbeziehungen hatten. Alle paar Wochen – mal waren es auch Monate – war er in eine andere Frau verliebt. Ich wusste davon. Begeistert war ich nicht, aber wir hatten uns nichts versprochen. Als ich auch einmal ein bisschen verliebt in einen anderen war, wurde mein Freund plötzlich ziemlich wütend. Ich müsste mich entscheiden, der andere oder er. Der andere saß derweil in meiner Küche. Ich habe mich für den Freund entschieden. Tatsächlich.

Mein Herz wird schwer, als ich das Foto von ihm betrachte, das der Mail beigefügt ist. Später erzähle ich dem Moppedfahrer von dem Freund. Noch ein bisschen später muss ich ihn ganz schnell drücken und dabei ein bisschen weinen.

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