Gerade als ich am See angekommen war,

 ging am gegenüberliegenden Ufer die Straßenbeleuchtung an. Über mir schnatterten Gänse, die auf dem Weg zu ihrem Nachtlager waren. Mein Nachtlager habe ich mir heute Mittag bereitet. Nachdem ich die letzten Nächte auf der selbstaufblasbaren dicken Isomatte geschlafen habe – erstaunlich gut, wie anzumerken ist – werde ich heute das Gästebett nutzen. Der Hausmann ist zurück nach Berlin gefahren.

Dabei ist es doch gerade mal einen Wimpernschlag her, dass wir beide irgendwo im Nirgendwo in Wittenberge mit einem großen (leeren) Trolley unterwegs zur Autovermietung waren. Der Freund hatte gefragt, ob mich die Szenerie auch an einen Jim-Jarmusch-Film erinnern würde. Nein, tat sie nicht. Aber das Gefühl, an einem surrealen Ort zu sein, hatte ich ebenfalls. Eine aufgerissene Straße. Arbeitsgeräte, die verlassen auf einer Wiese standen. Außer uns kein Mensch unterwegs.

Und dann ging alles zack zack. Morgens um acht sind wir los, abends um acht war der letzte Karton in meiner Wohnung. Dazwischen Landstraßen, Autobahnen, freundliche Helfer, ein kleines Malheur mit dem großen Auto in einer engen Gasse in Havelberg, das am Ende aber glimpflich ausgegangen ist.

Was bin ich froh, dass der Hausmann diesen Umzug mit mir gemacht hat! Er hat nicht nur das Auto gefahren, die schweren Stücke getragen, Regal, Tisch und Sessel zusammengeschraubt, er hat mit einer Geduld ohnegleichen auch diesen blöden Stoffkleiderschrank aufgebaut, den ich vor Ärger über die nichtssagende Bauanleitung vermutlich durch das geschlossene Fenster geschleudert hätte.

Zwischendurch habe ich ihm stolz die verschiedenen Badestellen am See gezeigt, und gestern sind wir mit dem Informanten, der uns am Umzugstag abends beim Hochtragen geholfen hatte, zur Elbe gelaufen. Ich hatte mir den kürzesten Weg gewünscht, da mein Fahrgestell ziemlich neben der Spur war. Das waren dann aber doch anderthalb Stunden insgesamt.

Zwei meiner drei Nachbarn habe ich inzwischen auch kennengelernt. Beide freundlich, entgegenkommend. Einer sagte gleich, ich könne ihn jederzeit fragen, wenn ich etwas brauche. Er habe Werkzeug und wenn es in seinen Möglichkeiten stünde, würde er mir gern helfen.

Heute Mittag haben wir zum ungefähr zehnten Mal die geschenkte Kommode durch die Gegend getragen, die mein Trödler hier im Dorf für teures Geld als Vintage verkaufen würde. Wir trugen sie vom Zimmer in den Flur, zurück ins Zimmer. Vor die eine Wand, vor die andere.

Als sie endlich an der richtigen Wand stand, sagte der Freund: „Die kann nix, sieht aber schön aus.“

Und das stimmt. Verstauen kann man kaum etwas in ihr. Nicht mal Schuhe passen hinein. Jetzt lagern dort Stifte, Kerzen usw. Krimskrams eben. Als ich später der lieben Spenderin ein Foto mit der oben genannten Bemerkung und einem nochmaligen Danke schickte, musste sie mir recht geben. Sie hatte früher ihre Tücher in dem guten Stück aufbewahrt. Tücher!!!

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