Alles ist verkehrt. Ich gehöre nicht dazu. Ich habe etwas Falsches gesagt, geschrieben und mich ins Abseits geschossen. Beim Aufwachen bin ich immer noch konfus und verunsichert. Diese Reaktion zeigt mir mal wieder, wie abhängig ich von Lob oder von Kritik bin. Als wüsste ich sonst nicht von meinem Wert.
Vielleicht kann ich mich selbst nicht realistisch einschätzen. Aber was spielt das für eine Rolle? Ändert es etwas, bin ich eine andere, wenn jemand sagt, ihm gefielen meine Texte? Sie wären literarisch, klug komponiert. Und wenn ein anderer dann sagt, sie seien nett zu lesen, manchmal auch berührend, aber Literatur? Flotte Schreibe. Ja.
Das sind Wertungen, Urteile, die vielleicht nur meinen eigenen Zwiespalt wiedergeben. Ändern sie etwas an dem, was ich tatsächlich bin? Was bin ich denn? Das habe ich vor Jahren einmal Goloka gefragt. Und er fragte zurück: Ja, was bist du denn? Ich hatte geantwortet: Schriftstellerin, Künstlerin. Darauf er: Mach dich doch nicht so klein.
Was war ich damals empört! Was glaubt dieser komische Hindu, wie klein Schriftstellerin sein kann? Nein, solche Aussagen ändern überhaupt nichts. Bzw. würden sie nichts ändern, könnte ich diese unterschiedlichen Wertungen einfach durch mich hindurchfließen lassen. Was mir nicht leichtfällt. Ich brauche Stunden, bis ich mich wieder zurechtgerückt habe. Bis ich es ins Mark hinein spüre: Ich bin nicht die oder die. Gut, nicht so gut, nur mittelmäßig, was auch immer. Ich bin mehr.
Oder anders ausgedrückt: Ich bin die Weite. Ich bin das Helle.
Zu guter Letzt komme ich immer auf dasselbe: Liebe. Ich bin Liebe. Aber Liebe ist auch nur eine Umschreibung für das stille Bewusstsein in mir, das nicht defekt ist, sondern tief. Allerdings muss ich mich in diesen Ort hineinfallen lassen, hineinspüren. Und das ist immer wieder neu eine Herausforderung. Die ich nicht unter den Teppich kehren will. Auch darüber muss ich schreiben. Weil ich hier sitze und nicht anders kann.