Die zwei Stunden oder drei, die ich morgens mit Kaffee im Bette sitze,

dienen nicht nur dem Schreiben, ich nutze sie auch zum Lesen, Hören, zur Recherche. Heute habe ich überlegt, mal wieder einen Ausflug nach Leipzig in die Alte Spinnerei zu machen. Dort werden in der Galerie Hempel gerade Fotos von Peter Hartwig gezeigt, wie ich auf Manuela Mordhosts Artblog erfahren habe, der mich auf interessante Künstlerinnen, Künstler und Ausstellungen hinweist.

Auf der Webseite der Galerie lese ich, dass sie internationale Künstler der jüngeren Generation, bedeutende Künstler der mittleren Karriere sowie etablierte Künstler von internationalem Ruf vertritt. Ärgerlich finde ich nicht nur diese verschwurbelte Differenzierung, ärgerlich finde ich vor allem die Tatsache, dass unter den genannten Namen kein einziger weiblicher ist. Nur Männer. Aber gut. In der aktuellen Ausstellung werden Werke der finnischen Künstlerin Elsa Salonen gezeigt, die mich interessieren könnten. Und von Berlin ist eine Fahrt allemal einfacher als von meinem Dorf.

Über den YouTube-Kanal von Martin Sonneborn (meiner Meinung nach der einzige deutsche EU-Parlamentarier, der seinen Job ernst nimmt) bekam ich schon gestern den Hinweis auf den Beitrag Blut und Öl, aus dem ich hier sehr gern den Einstieg zitiere – denn schöner kann man es (ich sowieso nicht) kaum formulieren:

In einer einzigen Woche bittet man Sie da draußen an den Geräten, Folgendes zu glauben:

In Venezuela muss der Staatsführer gestürzt werden, weil er ein Diktator ist, während der Sohn eines Diktators im Iran an die Macht gebracht werden muss, und die Herrschaftsverhältnisse über Grönland sich grundlegend verändern werden, ohne dass auch nur ein einziger der Diktatur verdächtiger Akteur im Spiel gewesen sein soll. Stimmungsgebende Medien halten es für machbar, Ihnen diese widersprüchlichen Standpunkte gleichzeitig zu servieren – in der Annahme, Sie würden nicht bemerken, dass hier weder „Demokratie“ noch „Freiheit“, sondern blanker Imperialismus verteidigt wird.

Fragen Sie nicht, warum dieselben, die in der EU immer FÜR das Tragen von Hijabs eintraten, im Iran mit Vehemenz dagegen sind. Fragen Sie nicht, warum dieselben, denen Leben und Sterben von Libanesen, Syrern, Kurden, Drusen, Alawiten & Palästinensern nie eine Zeile wert waren, über Nacht ein drängendes Mitgefühl für Bewohner Westasiens entdecken. Und fragen Sie erst recht nicht, wie es möglich sein kann, dass dieselben, die systematisch Grundrechte & demokratische Freiheiten in der EU einschränken, andernorts als idealistische Humanisten für Rechte auftreten, die sie in ihren eigenen „Demokratien“ und gegenüber ihren eigenen Bürgern nicht die Bohne zu achten pflegen.

Im Wortgebrauch George Orwells nennt man so etwas „Kohärenz“, logische Folgerichtigkeit.

5 Gedanken zu „Die zwei Stunden oder drei, die ich morgens mit Kaffee im Bette sitze,“

  1. Alt genug, um mich an die Zeit zu erinnern, als auf die Melodie des Schlagers „Marina“ von Rocco Granata der Text „Schenk dem Schah ein Söhnchen, sonst schmeißt er dich vom Thrönchen, genauso wie Soraya,…“ geträllert wurde, habe ich mir dieselben oder ganz ähnliche Fragen gestellt. Allerdings hatte ich nie die Gewohnheit, im Bett zu sitzen. Letzteres ist verwunderlich. Ersteres nicht.

    1. Danke. Das Lied kenne ich. Aber die Umdichtung nicht.
      Von den Schotten wird behauptet, dass sie morgens lange im Bette sitzen. Las ich einst bei Sigrid Damm. Ich alte Schottin..

      1. Die Engländer vermutlich auch. Wozu sonst sollte es den elektrischen Tea Maker mit eingebauter Zeitschaltuhr für den Early Morning Tea geben, wenn man genauso gut aufstehen könnte, um den Tee mit sprudelnd kochendem Wasser aufzugießen, fragt sich die senile Bettflüchterin.

      2. So eine bist Du also…tsss…und dann betreibst Du in den frühen Morgenstunden Deine Forschungen. Die dazu führen, dass auch ich jetzt weiß, dass die Vorfahren unserer Hühner Lebendgebärende waren. Danke. Was hat die Nachfahren dann zum Eierlegen gebracht?

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