Von den Bergen kommt ein leichter, frischer Wind.

Sanft wiegt er die Krone der Birke. Der Kirschbaum hat auch die letzten weißen Blütenblätter abgeworfen. Als ich vor sechzehn Tagen hier angekommen bin, flatterten noch vor jedem Starenkasten etliche Interessenten. Inzwischen sieht es so aus, als wäre gerade mal einer der sieben Kästen bewohnt.

Sie fliegen ein, sie fliegen aus. Ab Anfang April brütet das Weibchen, nach zwölf bis dreizehn Tagen schlüpfen die Jungen. Das könnte jetzt also so weit sein. Im Schnabel haben sie immer etwas, ich sehe nur nicht, was es ist.

Ich bin am Wochenende nicht ausgeflogen. Zwar hatte ich überlegt, ein drittes Mal an den schönen Thumsee zu fahren, aber am Wochenende sind mir dort zu viele Menschen unterwegs, da bleibe ich lieber zu Hause. Zumal es sich im Garten sehr angenehm sitzt. Bergblick inklusive.

Die Tage haben dieselbe Struktur, die sie auch in meinem jeweiligen früheren Zuhause hatten: kochen (und pürieren, wenn nötig), essen, schreiben, lesen. Im Moment habe ich kein richtiges Zuhause, vielleicht sind die Nächte auch deshalb schwierig. Die unendliche Geschichte. Ich wälze mich hin, wälze mich wieder zurück. Sogar die alte Angst vor der Dunkelheit, vor Mördern und Vergewaltigern ist ab und zu wieder da, dann verbarrikadiere ich mich. Allerdings hindert sie mich nicht daran, weiterhin fast täglich einen Krimi zu lesen.

Es gibt hier viele Bücher, darunter auch eine große Krimisammlung. Bayrische Krimis zumeist, aber vom Weltbild Verlag steht auch eine Edition mit norddeutschen Krimis im Regal. Besonders gruselige Stellen oder langatmige Beschreibungen überspringe ich allerdings. Bei nicht allzu anspruchsvollen Büchern gestatte ich mir ein solches Vorgehen. Ganz ohne schlechtes Gewissen sogar.

In zwei Stunden kommt die Freundin mit dem Jungen aus Österreich rüber. Unser erstes Treffen. Bis dahin sollte ich den Hirschkuss mit der patenten Polizistin Anne Loop wohl ausgelesen haben. Pack ma’s.

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