Mit dem zweiten Kaffee nach draußen,

aus dem Schuppen die verschiedenen Auflagen holen – für die Hollywoodschaukel, für die alte schwere Holzliege. Ich weiß nicht, wo ich mich niederlassen soll, stapfe durch das hohe Gras. Es ist noch feucht von der Nacht. Gemäht wird erst im Juni. Bis dahin sollen es die Insekten bei uns guthaben. Im Schöllkraut schaukelt eine Hummel.

Die Nachtigall ist mit mir unterwegs. Gestern habe ich sie das erste Mal gehört. Vorgestern Abend konnte ich zum ersten Mal wieder die Fledermäuse beobachten. Wie im letzten Jahr sind es vier. Letztes Jahr war ich Gast, jetzt wohne ich hier. Wie schnell sich die Umstände manchmal ändern.

Die zweite Nacht wieder zu Hause. Zu dem ich in einem echten Londoner Taxi chauffiert wurde. Als ich am Freitag meine Tasche gepackt hatte und noch etwas Luft auf mein Bike geben wollte, stellte ich fest, dass ein Reifen fast platt war. Es ist mir mit der vorhandenen Pumpe nicht gelungen, daran etwas zu ändern. Also bestellte ich mir ein Taxi. Eins, in dem genug Platz für mich, mein Bike und die Packtaschen sein würde.

Und dann kam dieses Londoner Taxi im typischen Berliner Taxi-Beige. Der Fahrer hatte den Wagen vor zwanzig Jahren angeschafft, weil er eine Trennwand zwischen sich und den Gästen haben wollte. Er fühlte sich von lauten Handytelefonaten gestört. Wie gut ich das verstehen kann. Sofort erinnerte ich mich an den Mann, der mir zuletzt im Speisewagen des ICE die ganze Zeit von hinten ins Ohr gequatscht hatte.

Aber so machen sie das. Im Zug, im Bus, in der S-Bahn. Überall müssen sie sich wichtig tun. Selten die Älteren unter uns. Da gibt es noch eine Art Scham. Oder nennen wir es Rücksichtnahme.

Aber die Zeiten werden sich eines Tages vielleicht ändern. Dann wird es en vogue sein, kein Smartphone mit sich zu führen, nicht jederzeit erreichbar zu sein. Es wird teure Kurse geben: In 20 Tagen smartphonefrei. Bücher werden erscheinen darüber, wie Menschen ihr Leben zurückbekommen haben. Aber dann ist es vielleicht zu spät. Dann sind viele Gehirne womöglich schon verstrahlt und in Auflösung begriffen.

Aber jetzt möchte ich doch gern wissen, welcher Vogel hier neben mir so unbekümmert zwitschert. BirdNET wird es mir sagen.

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