Die Glocken läuten.

Noch ist es nicht so heiß, wie sie es angekündigt haben. Deshalb habe ich es mir mit meinem Buch auf der Terrasse bequem gemacht.

Während Charles Lindbergh 1927 zum ersten Mal den Atlantik überfliegt, von New York nach Paris, schwebt der zwölfjährige Walt über einen See in Kansas.

Anfangs fand ich die Geschichte so abstrus, dass ich das Buch am liebsten wieder ins Regal gestellt hätte. Doch dann hat mich Paul Auster gepackt. Ich wüsste zu gern, wie er auf die Idee zu seinem Roman Mr. Vertigo gekommen ist. Hat er sich mit der Transzendentalen Meditation beschäftigt? Oder war er davon überzeugt, dass unser Körper zu weit mehr in der Lage ist, als wir ihm normalerweise zutrauen? Ich selber glaube das nämlich.

Trotzdem war das yogische Fliegen nicht mein Ziel, als ich Mitte der Neunziger mit TM begann. Mich interessierte die Methode. Zweimal zwanzig Minuten mit einem Mantra sitzen, das schien mir einfacher als das, was ich bisher gelesen oder versucht hatte. Und schon erinnere ich mich an ein Gespräch, das ich damals mit meinem Sohn geführt hatte. Ich wollte wissen, ob ihn diese Praxis ebenfalls interessiere. Nein, hatte er barsch geantwortet, sie interessiere ihn nicht die Bohne. Sollte ich allerdings eines Tages fliegen können, dürfe ich es ihm gern vorführen.

Ich fliege nicht. Und über das Wasser kann ich auch nicht gehen. Nicht über, aber immerhin in das Wasser hinein.

Gestern Abend habe ich allerdings vergeblich nach einem geeigneten Einstieg in den See gesucht. Überall waren Menschen. Viel zu viele Menschen. Heute Morgen war das anders. Um neun Uhr gab es noch freie Plätze am Ufer. Leider haben mir die Schlingpflanzen ein wenig die Freude am Schwimmen verdorben.

Das Fräulein saß derweil am Ufer und kaute an einem Stück Holz herum. Dabei sollte sie doch meine Sachen bewachen. Meine Sachen und die der beiden Männer, die gleichzeitig mit mir am See angekommen waren.

»Kann Ihr Hund nicht auch auf unsere aufpassen?«

»Versuchen können wir es«, hatte ich geantwortet. »Aber ich sage es lieber gleich: Madame ist bestechlich. Man gebe ihr ein Leckerli, und schon sind ihr unsere Sachen schnuppe.«

Ist aber alles gut gegangen. Keine bösen Buben unterwegs.

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