Während ich am Wohnzimmertisch schreibe,

schläft das Fräulein. Eigentlich schläft das Fräulein fast immer. Ich habe ihr für später einen Spaziergang zum Hundeauslauf versprochen. Die Temperaturen sind gemäßigt, man könnte fast von frisch sprechen. Seit einer Stunde regnet es nicht mehr. Beste Voraussetzungen also. Die Hitze der letzten Tage hat mich doch ziemlich beeinträchtigt und unseren Radius eingeschränkt.

Wir waren früh morgens am See, ich schwamm, das Fräulein tat so, als würde sie meine Sachen bewachen. Obwohl ich ihr gut zuredete, ließ sie sich nicht ins Tiefe locken. Nein. Ich will nicht schwimmen. Auch nicht gerade typisch für einen Retriever.

Aber sie ist sowieso nicht typisch. Nicht nur nicht typisch für Retriever. Sie ist anders als die meisten Hunde, die ich bisher kennengelernt habe. Als ich gestern mit einem Freund darüber redete, musste der lachen. Was sie denn meiner Meinung nach tun solle. Lesen? Schreiben? Kleine Dinge im Haushalt erledigen? So wie ich?

Ich hatte mich darüber beschwert, dass sie zu Hause die meiste Zeit irgendwo herumliegt. Dass sie den geworfenen Tennisball zwar zurückholt, ihn mir aber nicht wiedergibt. Stattdessen legt sie sich mit dem Ball im Maul gleich wieder hin.

Der Freund hat mich beruhigt. Da sie sich sonst ganz normal verhält, müsse ich mir keine Sorgen machen. Sie ist interessiert an anderen Hunden, tobt und spielt gern. Sie wirft sich unbekannten Menschen vor und auf die Füße, wenn sie glaubt, dass dabei eine kleine Streicheleinheit herausspringt. Sie beobachtet Schwäne und andere Wasservögel.

Vielleicht ist sie ein Hund, der seine Energie nur dort einsetzt, wo es sich für ihn lohnt. Draußen ist sie neugierig und gesellig, drinnen ruht sie. Ballwerfen gehört offensichtlich nicht zu den Dingen, für die es sich aufzustehen lohnt.

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