Wie habe ich eigentlich meine Bestellung formuliert?

Darauf wollte ich doch achten. Habe ich gesagt: „Zwei Croissants, bitte.“? Oder: „Ich hätte gern noch zwei Aprikosen-Buchteln.“

Heute Morgen las ich auf dem Blog von Jules van der Ley von Leuten, die auf dem Markt ihren Kaufwunsch mit „ich bekomme“ einleiten, während der Autor der Geschichte eher die Floskel „ich hätte gern“ benutzt.

„Ich bekomme“ klingt bedeutend. Es – was auch immer ich zu kaufen wünsche – steht mir zu. Mir ist „ich hätte gern“ auf jeden Fall sympathischer. Aber nun habe ich vergessen, auf meine Worte zu achten. Das Fräulein lag außer Hörweite. Sie ist mir in dieser Frage auch keine Hilfe.

Links von uns höre ich plötzlich eine energische Stimme. „Beeil dich. Schneller.“ An uns vorbei fährt ein muskulöser Fahrradfahrer. Wir drehen uns um. Wen meint er?

In einiger Entfernung fährt ein Junge. Er ist höchstens zwölf. Obwohl er kräftig in die Pedale tritt, holt er nicht auf. Ich sehe Tränen in seinen Augen. Und ich sehe auch seine stille Verzweiflung. Am liebsten möchte dem Mann hinterherrennen – oder fliegen – und am Schlawittchen packen. Warum sind Sie nicht eher losgefahren? Sehen Sie nicht, was mit dem Jungen los ist?

Nach etwa hundert Metern kommen uns Mann und Junge plötzlich entgegen. Der Mann fährt jetzt langsamer, der Junge kann mit dem Tempo gut mithalten. Wozu vorher diese Eile?

Wir beeilen uns nicht. Ist auch gar nicht nötig. Der Hausmann hat geschrieben, dass er ein paar Minuten später an der S-Bahn sein wird. Wir sind zum Schwimmen und zum Frühstück am See verabredet. Gestern Abend hatten wir uns dort auch schon getroffen, und weil es uns so gut gefallen hat, müssen wir das heute Morgen gleich wiederholen. Ich bin ja nur noch zwei Tage am See.

Auch das Fräulein ist gestern Abend auf ihre Kosten gekommen. Während wir im Seestern zum Abschied noch ein geistiges Getränk zu uns nahmen, versuchte sie den Chef zu hypnotisieren. Ich weiß doch, dass du mir immer ein Würstchen gibst. Siehst du die Sehnsucht in meinen Augen?

Keine Spur von „ich bekomme“. Und siehe: Zum Abschied gab es zu der Streicheleinheit auch das Würstchen. Das wird aber unser kleines Geheimnis bleiben.

2 Gedanken zu „Wie habe ich eigentlich meine Bestellung formuliert?“

  1. Ich sage im Geschäft stets und ohne Ausnahme „ich hätte gerne….“.

    „Ich bekomme…“ kam mir in meinem ganzen (gefühlt) langen Erdenleben noch kein einziges Mal über die Lippen.

    Irgendwie verdächtig erscheint mir auch die Formulierung „ich habe mir XY geholt“ anstatt „gekauft“. Obwohl damit natürlich immer „gekauft“ gemeint ist im Gegensatz z.B. zu „geklaut“. „Geholt“ suggeriert, dass man bereits den niederen Sphären des profanen Erwerbens enteilt ist und sich Sachen nur noch „holt“, da sie auf eine geheimnisvolle Weise ohnehin nur darauf warten, dass man sich ihrer annimmt und ihrem Verwendungszweck zuführt. Wer noch kaufen muss anstatt einfach zu holen hat irgendwas falsch gemacht und darf naserümpfend betrachtet werden.

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