Das stand schon lange an. Er geht sozusagen seiner Berufung nach – er repariert. Gestern brachte ein Nachbar neben einer Ladung Holz für den Küchenofen auch noch einen defekten Lötkolben mit. Der Freund ist für sein Können über die Kiezgrenzen hinaus bekannt.
Als ich am Samstagabend von meinem Ausflug in die Hunde(Fräulein)-Welt nach Hause kam, hatte er gerade seine Motorräder am Wickel. Die er liebevoll Moppeds nennt. Ich erinnere mich noch gut an unser erstes Treffen. Damals hatte er angekündigt, mit dem Mopped zu kommen. Also hielt ich Ausschau nach einem Moped. Bis schließlich ein Riesentrum vor mir stand. Eine 1100er BMW, schon damals ein Oldtimer.
Einer repariert, einer kocht Kaffee für den Kuchen, der gestern übriggeblieben ist, eine richtet alles für den Besuch morgen her. Die jüngste Tochter meiner Freundin, von mir Zuckerschnecke genannt, hat sich anlässlich ihres Geburtstages eine Woche bei mir in Berlin gewünscht. Gestern ist sie dreizehn geworden, die ganze Familie war da, um mit ihr in den Cirque du Soleil zu gehen. Morgen findet die Übergabe hier im Haus statt. Mutter und kleiner Bruder werden auch eine Nacht bleiben, bevor sie weiterfahren.
Mir ist ein wenig mulmig. Ich bin es nicht gewohnt, tagelang mit einem Menschen zusammen zu sein. Also mit einem Kind. Wobei Kinder ja auch Menschen sind. Selbst bei Erwachsenen gelingt es mir nur, wenn ich niemanden bespaßen muss, kein Programm bieten soll und mir niemand am Rockzipfel hängt. Mit manchen funktioniert das wunderbar, mit anderen nicht. Dann steigt eine leise Panik in mir auf.
Wie es mit mir und dem Mädchen wird, kann ich nicht einschätzen. Wir waren noch nie eine Woche allein. Sind wir hier auch nicht, zumindest der Moppedfahrer wird auch ein paar Tage da sein. Zuständig bin trotzdem ich. Als Quasi-Oma.
Als ich das gestern beim telefonischen Geburtstagsgruß ansprach, wurde ich beruhigt. Ich muss nichts machen. Muss keine Erwartungen erfüllen. Abgesehen vom gemeinsamen Küchenschlacht-Schauen, das sei doch schließlich unser Ritual. Ich denke, das kriege ich hin.