Heute Morgen war es in der Hollywoodschaukel noch angenehm frisch.

Zwei Stunden später wechsle ich in den Schatten unter die Haselnuss. Der Moppedfahrer setzt sich an den Tisch neben mich und bearbeitet mit dem Akkuschleifer kleine Sägeblätter. Im übernächsten Garten wird mit einem Elektrohobel gearbeitet. Von der Straße höre ich Motoren. Von McDonald’s rauscht die Lüftung zu uns herüber. Ganz großstädtisch eben.

Während ich noch darüber nachdenke, ob die Geräusche zu dem üppigen Grün der verschiedenen Sträucher und Bäume, zum Purpur der Trichterwinden, dem Gelb der Sonnenblumen, dem Karmesinrot der Feuerbohnenblüten, dem Rosa der Herbstanemonen oder den blauen Blüten der Kugeldistel passen, ertönt die schrille Stimme einer Frau, die ihre Kinder ermahnt. „Lasst das! Ihr macht den Rasen kaputt!“

Dann ein kurzer Moment der Stille. Ich atme auf. Doch schon kreischt eines der Kinder. Die Frau reagiert zornig. „Dann machen wir jetzt Schluss. Wenn ihr euch nicht an den Riemen reißen könnt, kann hier nicht gespielt werden.“ Akkuschleifer und Elektrohobel stimmen ein.

Eigentlich wollte ich lesen. Wollte die Zeit nutzen, bis mich die Mittagshitze nach drinnen an den Schreibtisch treibt. Ich habe aus der Bibliothek Rüdiger Safranskis Buch Einzeln sein mitgebracht. Philosophische Betrachtungen von Diderot bis Kierkegaard, von Montaigne bis Hannah Arendt und Ricarda Huch.

Wahrscheinlich interessiert mich das Thema, weil ich mich so oft als Einzelne erlebe. Als Einzelne, die ins Leben geworfen wurde, ohne dass man ihr eine Gebrauchsanweisung mitgegeben hätte. Die sich selbst zu einem lebendigen Menschen mit eigenen Gedanken und eigenen Werten entwickeln möchte und gleichzeitig zu einem Kreis von Menschen, zur Gesellschaft dazugehören will. Ein ewiger Spagat. Bis heute. Und eigentlich – eigentlich mag ich Stille. Ruhe.

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