Doch kaum verlasse ich das schützende Blätterdach, wird es richtig warm. Viel zu warm für den Hund, der immer noch aufgeregt in der Wiese schnüffelt. Sieht er die Rehe nicht? Oder interessieren ihn die wunderbaren Düfte mehr?
Es ist zwei Jahre her, dass ich diesen Weg mit einem anderen, einem kranken Hund gegangen bin. Er ist längst im Hundehimmel. Möge er dort seinen Spaß haben.
Jetzt bin ich also wieder hier. Für zwei Wochen auf dem Land, gar nicht weit entfernt von dem winzigen Dorf, in dem ich die letzten drei Jahre gelebt habe. Bei einem um die Hüfte etwas breiteren Golden Retriever, fünf Katzen, zehn Hühnern. Auf dem Nachbargrundstück gibt es ein Storchennest mit zwei Jungen. Dazu eine Spatzengang, die im Wassertopf der Hühner sitzt. Wenn das nicht das Paradies ist.
Mit Hühnern hatte ich das letzte Mal in meiner Kindheit zu tun. Sie lebten auf einem eingezäunten Platz in unserem Garten. Meine Hühner hier sind Freiläufer. Sie können sich im gesamten Garten – und der ist ziemlich groß – bewegen, sie sitzen in Bäumen, nehmen Sandbäder, scharren, picken, laufen mir erwartungsvoll hinterher, wenn sie glauben, ich ginge Richtung Tonne, in der sich die Körner befinden.
Der Hahn hält seine Weiber zusammen und achtet darauf, dass sie ordentlich zu fressen kriegen. Er drängelt sich nicht vor, nimmt, was abfällt, könnte man denken. Andererseits ist er nicht so bescheiden. Er bläst sich auf und tut ganz schön großspurig.
Namen haben die Hühner nicht. Gerda ist eine Ausnahme. Vielleicht weil sie diesen Puschel auf dem Kopf hat, der sie ein bisschen wie Tina Turner aussehen lässt. Warum dann nicht Tina? Egal. Gerda interessiert sich für Menschen. Wenn ich in der Hollywoodschaukel sitze, sucht sie meine Nähe. Natürlich reden wir miteinander.
Hallo Gerda, wie geht’s dir? Gut heute, ja. Ich habe hier nichts zum Picken für dich. Aber da hinten auf der Wiese. Gerda nickt. Mach du mal weiter mit deinem Zeug. Ich steh hier einfach und guck noch ein bisschen.
Die Rehe sind ganz schön hinterlistig. Man könnte denken, sie springen dem Hund extra vor der Nase herum, damit er sie nun wirklich sieht. Hallo! Wir sind hier! Und tatsächlich: Er setzt an und rennt. Mehr als zwanzig Meter schafft er aber nicht. Dann bleibt er stehen. Kluges Tier. Man muss die eigenen Grenzen kennen.
Na dann komm, Schnucki. Gehen wir nach Hause, bevor einer von uns beiden einen Hitzschlag bekommt.