Vielleicht brauche ich nur eine Hollywoodschaukel.

Mit anschließender Küche und Bad, denke ich, während ich hier sitze und schaukle und dem Wind in den Bäumen lausche. Die Möglichkeit zum Aufstellen einer solchen Schaukel war ein Kriterium, das mir die Entscheidung für eine der vier Wohnungen erleichtern sollte. Wo kann ich überhaupt eine aufstellen? Wo wäre der Platz, an dem sie mich vor fremden Blicken schützt bzw. mir den tristen Blick erspart?

Ich bin ohne Entscheidung aus Lenzen zurückgekommen. Ohne Entscheidung, aber mit einer Packung Wildbratwürsten im Rucksack. Der Moppedfahrer hat sie gestern gegrillt, in Kombination mit meinem Tzatziki und den geschmorten grünen Bohnen des Hausmanns ein köstliches Abendmahl.

Es geht uns gut. Wenn ich bedenke, dass der Hausmann gestern auch noch einen oberleckeren Nachgeburtstags-Pflaumenkuchen gebacken hatte, zu dem wir auch den Nachbarn von gegenüber eingeladen haben, dann gibt es überhaupt nüscht zu meckern. Nicht an den beiden WG-Genossen, nicht an dem verwunschenen Garten.

Und doch zieht es mich aufs Land, hin zu Flüssen, Wiesen, Feldern, Deichen. Zu Orten, die nach Meinung eines weiteren Nachbarn vor allem eins zu bieten haben: tote Hose.

Ich mag das. Mir gefällt es, wenn ich bei einer Radtour allein auf der Straße mit den alten Eichen unterwegs bin, wenn außer mir kein anderer Mensch vor der Skulptur des Charon in Mödlich steht, wenn mich die freundlichen Bistrobetreiber am zweiten Tag schon wieder erkennen und: Hat es geklappt mit der Wohnung? fragen.

Nein. Bis jetzt hatte ich immer etwas auszusetzen. Eigentlich zu groß oder der Blick aus den Fenstern war zu trist oder die Wohnung war für ihre Größe zu teuer oder das Gartenstück, das ich nutzen könnte, hatte sich als Baugrube entpuppt, die auch eine Hollywoodschaukel nicht schöner machen würde.

Die nicht vorhandenen Kinos, Kneipen, Museen, Galerien schrecken mich dagegen nicht, zumal die drei Jahre in der Ostprignitz mir gezeigt haben, dass die spannenden Projekte oder Veranstaltungen einem nicht auf dem Servierteller gereicht werden. Vieles erschließt sich erst, wenn man vor Ort ist und sich darauf einlässt, hinter die Fassaden zu schauen.

Gerade eben habe ich eine kleine Wohnung in Havelberg entdeckt. Sie hätte etwas von einem Tiny-Haus. Leider kein Balkon. Kein Hof. Keine Terrasse. Andererseits wird es jetzt doch sowieso erst mal Herbst, dann Winter. In dieser Zeit könnte ich nach einem kleinen Garten Ausschau halten. Oder nach einem Platz für meine Hollywoodschaukel.

Om. Amen. Howgh.

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