Schwere Windwarnung

Bei den 31 km/h aktuell fliegt aber noch kein Stuhl durch die Gegend. Echte Stühle habe ich erst einmal fliegen sehen. 2021 auf dem Tartiniplatz in Piran. Fünf Jahre ist es her, dass ich mit Bussen und Bahnen fremde Orte und Landschaften erkundet habe. Jetzt erkunde ich virtuell im Vorfeld schon einmal die Landschaft rund um Lenzen.

Wie lange brauche ich von meiner Wohnung bis zum Charon in Mödlich? 20 Minuten mit dem Rad, sagt Google Maps. Dann lege ich noch einmal 5 Minuten drauf. Bis zum Burggarten laufe ich 20 Minuten. Dieser Garten ist ja immer einen Spaziergang wert.

Mit dem Rad kann man auf einem Rundweg die Lenzerwische erkunden. Das wären 27 km insgesamt. Das Wort „Wische“ kommt übrigens aus dem Niederdeutschen, wie ich gerade gelernt habe, es bedeutet Wiese oder Weideland. Eine Tour für den Moppedfahrer und mich. Er auf seinem Lieblingsrad – ohne E –, ich auf meinem flotten Bike.

Der Freund weiß noch gar nicht, dass ich mich für die Wohnung in Lenzen entschieden habe. Allerdings hat er schon vor Wochen seinen Besuch für den Fall der Fälle angekündigt. Zumal ich ja ein Gästezimmer habe. Auch in die Ostprignitz ist er gern gekommen, dort gefiel es ihm. So gut sogar, dass der Verein Flusskultur mit ihm und seinem Sohn ein Repair-Café organisieren konnte. So etwas könnte ich bestimmt auch in Lenzen organisieren. Zumal ich immer noch zu den Flusskulturlern gehöre.

Eine Freundin hat mir den Beitrag einer Bloggerin geschickt, die Lenzen cooler als Florenz findet. Diese Aussage hatte einerseits mit dem veganen Burghotel, andererseits mit der beeindruckenden Natur zu tun. Die kleine Stadt selbst hat etwas von einem Lost Place, was die Autorin aber sehr angenehm fand. Weil es in der heutigen Zeit zwar viele schöne alte – auch schön restaurierte – Städte gibt, die dem Besucher aber alle ein ähnliches Bild bieten. Sie dienen als Fassade für die immer gleichen Modeketten, Märkte usw. Davon findet man in Lenzen: Nüscht. Mir gefällt das ebenfalls. Ein Antiquariat wäre allerdings nicht übel, aber man kann wohl nicht alles haben.

Vielleicht findet sich ja jemand, der die Lesestube wiederbelebt. Vielleicht finde ich sogar einen Ort, einen Raum, der als Außenposten für die Flusskulturler infrage käme. Im November treffen sich die Vereinsmitglieder und Sympathisanten in Kyritz, unsere Ideen und Zukunftsvisionen sind gefragt. Vorgestellt in kurzen Pitches, wie man das heute nennt.

An Ideen hat es mir noch nie gemangelt. Nicht immer gelingt mir die Umsetzung. Im Moment merke ich nur, wie mich der Gedanke an mein neues Leben in Lenzen inspiriert, wie ich in Phantasien schwelge.

Komm mal wieder unter, meine Liebe, sagt da die Kleine in mir, die es weniger aufgeregt und euphorisch mag.

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