Einfach leben (4)

Als ich mich das erste Mal zur Wehr setzte, war ich elf. Ich erinnere mich genau. In meiner Klasse gab es einen Jungen, der ohne Grund rempelte und andere boxte. Als er mir wieder einmal in Angriffshaltung bedrohlich nahe kam, holte ich aus und verpasste ihm eine Ohrfeige. Er fiel um, war verdutzt und sprachlos. Von da an ließ er mich in Ruhe, und ich hielt mich für mutig. „Einfach leben (4)“ weiterlesen

Wie der österreichische Irrsee wohl zu seinem Namen gekommen ist?

Auf dem Weg dorthin überlegten wir. Die Erklärung finde ich erst abends, als wir längst wieder zu Hause sind. Angeblich war dort, wo heute der See ist, einst das Schloss eines Zauberers. Als dessen Bursche das falsche Fass öffnete, überflutete das herausströmende „irrende“ Wasser alles. Mit Irren hat der Name also nichts zu tun. „Wie der österreichische Irrsee wohl zu seinem Namen gekommen ist?“ weiterlesen

Einfach leben (3)

Seitdem ich abends unter Aufsicht eine Tablette nehme, geht es mir ein wenig besser. Vor allem schlafe ich wieder. Einige Male war ich sogar schon grundlos glücklich – ein Zustand, den ich sonst manchmal beim Schreiben erfahre. Gleich tauchte die Angst auf, mein Wesen könnte sich verändern. Wenn man mir nun mit dieser Tablette einen Teil von mir nimmt? Meine Kreativität zum Beispiel? Vielleicht kann ich nur schreiben, wenn ich Depressionen habe. „Einfach leben (3)“ weiterlesen

Der Ausflug an den Königssee

und zur malerisch gelegenen Wallfahrtskirche St. Bartholomä am Westufer wird verschoben. Wir vermuten, dass dort am 1. Mai zu viele Touristen unterwegs sein werden. Auch wir sind Touristen, aber muss man sich deshalb in die Menge stürzen? Mann und Frau finden, dass dazu keine Notwendigkeit besteht. „Der Ausflug an den Königssee“ weiterlesen

Einfach leben (2)

Es gibt kaum Gemeinsamkeiten zwischen mir und den Frauen in der Brigitte Woman, die ich mir gestern gekauft habe und die jetzt anklagend neben mir auf dem Nachttisch liegt. Eine Zeitschrift für die ältere oder reifere Frau, zu denen man spätestens gehört, wenn man die vierzig überschritten hat – und da liege ich ja schon seit einiger Zeit deutlich drüber. Ich ärgere mich zwar regelmäßig nach der Lektüre, schaffe es aber nicht, eine neue Ausgabe zu ignorieren. Ein typisches Suchtverhalten. „Einfach leben (2)“ weiterlesen

Einfach leben (1)

Nachts sind alle Katzen grau, morgens um drei schmerzt das Herz, der Magen, genau genommen der ganze Körper. Dann ist da noch die Stimme in meinem Kopf. Schön bequem hat sie es sich dort gemacht. Sie erzählt mir lauter Sachen, die ich längst weiß und in dieser Detailtreue nicht hören will: „Einfach leben (1)“ weiterlesen

Von den Bergen kommt ein leichter, frischer Wind.

Sanft wiegt er die Krone der Birke. Der Kirschbaum hat auch die letzten weißen Blütenblätter abgeworfen. Als ich vor sechzehn Tagen hier angekommen bin, flatterten noch vor jedem Starenkasten etliche Interessenten. Inzwischen sieht es so aus, als wäre gerade mal einer der sieben Kästen bewohnt. „Von den Bergen kommt ein leichter, frischer Wind.“ weiterlesen

Einfach leben – Prolog

Morgens ist der Garten am schönsten. Vielleicht ist er auch am Sonntagmorgen am schönsten. Wenn die Luft weich ist und es nach feuchtem Gras und Jasmin riecht. Wenn außer mir kein anderer Mensch zu sehen und schon gar nicht zu hören ist. Wenn nur Vögel und Insekten ihrer Beschäftigung nachgehen und die Mitbewohner noch schlafen. „Einfach leben – Prolog“ weiterlesen