Gestern schrieb ich, dass ich mit zunehmenden Alter Kurparks nicht mehr spießig finde.

Dass ich im Gegenteil ihre Ruhe und Beschaulichkeit zu schätzen gelernt habe. Ha! In Bad Reichenhall sitzen sie dicht gedrängt um den Solespringbrunnen herum, laufen im halben Dutzend schnatternd auf sonnigen und beschatteten Wegen, fläzen sich auf harten Holzliegestühlen und schreien in ihr Handy. Ich übertreibe, aber nur ein bisschen. „Gestern schrieb ich, dass ich mit zunehmenden Alter Kurparks nicht mehr spießig finde.“ weiterlesen

Annas Angst – Epilog (2)

Seit einiger Zeit arbeite ich nur noch an drei Nachmittagen in der Woche im Laden. Ich habe Peter kurzerhand zum Geschäftsführer erklärt und überlasse ihm den Einkauf und die Buchführung. Wenn es trotzdem mal nicht so gut läuft, muss ich mir auch keine Sorgen machen. Es ist immer etwas Geld da, mit dem wir solche Phasen überbrücken können. „Annas Angst – Epilog (2)“ weiterlesen

Die Bergkämme und -spitzen, die ich vom Küchenplatz sehen kann,

liegen in der Sonne. Wie frischgeputzt. Ich lege meinen Kopf auf den Handrücken, den Unterarm auf den Tisch aufgestützt. Ein plötzliches inneres Erkennen. Jetzt sehe ich aus wie meine Mutter. Wahrscheinlich habe ich auch diesen Blick, mit dem sie oft ein wenig entrückt in die Ferne schaute. Es gibt Fotos von ihr, auf denen sie so dasitzt. „Die Bergkämme und -spitzen, die ich vom Küchenplatz sehen kann,“ weiterlesen

Annas Angst – Epilog (1)

Madame, Sie müssen sich anschnallen. Wir fliegen durch ein Schlechtwettergebiet.“

Die Hand, die meinen Arm schüttelt, passt nicht zu der melodiösen Stimme. Die gehört der Stewardess, die mir das Taschentuch gab. Meine Sitznachbarin ist diejenige, die an mir zerrt. Dabei flüstert sie in einem fort achgottachgott. „Annas Angst – Epilog (1)“ weiterlesen

Wenn wir etwas zum ersten Mal tun, wenn wir etwas lernen,

dann verschalten sich im Gehirn ein paar Synapsen neu. Neue Verbindungen zwischen Nervenzellen entstehen – Thema Neuroplastizität – auch im Alter. Vielleicht dauert das Lernen ein wenig länger, aber gelernt wird. Das ist mir u. a. aus der Ausbildung, die keine war (Gerald Hüther), in Erinnerung geblieben. „Wenn wir etwas zum ersten Mal tun, wenn wir etwas lernen,“ weiterlesen

Annas Angst – Sonntag (6)

Simon hat sich etwas erholt. Er wirkt ein wenig gelöster als noch vor einer halben Stunde. „Stell dir das vor. Ein jüdischer Arzt, der arischen Frauen die Kinder wegmacht. Und das in einer Zeit, als ein reicher Kindersegen als wünschenswert galt. Mit so einem hätte man sich nicht lange aufgehalten. Den hätte man an Ort und Stelle umgebracht. „Annas Angst – Sonntag (6)“ weiterlesen

Die dunklen Wolken rechts über den Bergen,

dazu das diffuse Licht – der Regen hatte sich schon heute Morgen angekündigt. Das prognostizierte Gewitter war bis in den späteren Nachmittag hinein allerdings ausgeblieben. Ich war trotzdem froh, nicht mit dem Rad, sondern mit der Regio zu meinem Termin gefahren zu sein. Erst als ich wieder zu Hause war und meine Tasche ausgepackt hatte, ging der Wolkenbruch nieder, blitzte und donnerte es. „Die dunklen Wolken rechts über den Bergen,“ weiterlesen

Annas Angst – Sonntag (5)

Während Simon liest, beobachte ich ihn. Er zieht die Stirn kraus, so wie ich es auch oft mache. Vielleicht ärgert er sich auch schon wieder. Fast automatisch zündet er sich eine Zigarette an. In seinem Alter sollte er nicht so viel rauchen. Aber das kann auch an der ungewöhnlichen Situation liegen, in der wir uns beide befinden. „Annas Angst – Sonntag (5)“ weiterlesen