Mein Traumleben wird intensiver, oder ich erinnere mich wieder besser an Träume. Von mir aus müsste das nicht so sein, da es sich ohne Ausnahme um Albträume handelt. Auch die Nazizeit, die ich selbst gar nicht erlebt habe, spielt wieder eine Rolle. Ich – wenn ich nur wüsste, um welches Ich es sich handelt – verstecke Menschen, die gesucht werden, die man gefoltert und verletzt hat. Auf den Straßen Autojagden mit den typischen Wagen der Dreißigerjahre, wie ich sie aus Filmen kenne. „Einfach leben – (15)“ weiterlesen
Mit dem zweiten Kaffee nach draußen,
aus dem Schuppen die verschiedenen Auflagen holen – für die Hollywoodschaukel, für die alte schwere Holzliege. Ich weiß nicht, wo ich mich niederlassen soll, stapfe durch das hohe Gras. Es ist noch feucht von der Nacht. Gemäht wird erst im Juni. Bis dahin sollen es die Insekten bei uns guthaben. Im Schöllkraut schaukelt eine Hummel. „Mit dem zweiten Kaffee nach draußen,“ weiterlesen
Einfach leben – (14)
Das Gebäude der Klinik steht auf einem Hügel. Nobel ist es hier nicht, eher zweckmäßig. Aber es gibt ein Schwimmbad, eine kleine Sauna, und ich stelle mich darauf ein, sechs Wochen lang versorgt zu werden. Sogar das Mittagessen wird uns am Platz serviert. Ich muss tatsächlich nichts weiter tun, als mich um mich selbst zu kümmern. Paradiesische Zustände. „Einfach leben – (14)“ weiterlesen
Einfach leben – (13)
Meine liebe Nanette! Dein Brief hat mich ein wenig beunruhigt. Deswegen schreibe ich sofort. Du hast eine Depression, das werden sie Dir in diesem Krankenhaus wohl gesagt haben, oder etwa nicht? Glaube mir, mit Depressionen kenne ich mich aus Manchmal wird es bei Frauen besonders schlimm, wenn sie in die Wechseljahre kommen. Dann wollen Dinge ans Tageslicht, die sie bisher verdrängt haben. Bei mir war es auch so. „Einfach leben – (13)“ weiterlesen
Während ich die Strickjacke enger um mich ziehe,
schwimmt in einiger Entfernung der Hausmann seine Runden. Das Fräulein beobachtet den tollkühnen Freund aufmerksam vom Ufer aus. Und das macht Spaß? Ist das nicht viel zu kalt? „Während ich die Strickjacke enger um mich ziehe,“ weiterlesen
Einfach leben – (12)
Im Krankenhaus hatten sie mir empfohlen, noch einmal Therapie zu machen. Obwohl ich dachte: Wozu soll das gut sein? Ich habe fünf Jahre Therapie hinter mir, auch wenn das fünfzehn Jahre her ist. Wäre das jetzt nicht ein Eingeständnis von Hilflosigkeit? „Einfach leben – (12)“ weiterlesen
Unter mir glänzte der See, neben mir glänzten die Augen des Fräuleins,
als wir gestern lange im Hundeauslauf zwischen See und S-Bahn unterwegs waren. Ständig trafen wir auf Artgenossen. Es wurde gerannt, getobt, bestiegen. Wer oben ist, ist Chef. „Unter mir glänzte der See, neben mir glänzten die Augen des Fräuleins,“ weiterlesen
Einfach leben – (11)
Es dauerte lange, bis ich G. das nächste Mal sah. Es war irgendwann Mitte der Achtzigerjahre, damals lebte ich schon in West-Berlin. Wieder kam er für ein paar Monate nach Europa, besuchte Italien, Frankreich, er hatte überall noch Freunde von früher. Ein paar Wochen verbrachte er auch in seiner alten Heimat Berlin. Wo er nichts Besseres zu tun hatte, als die Beziehungen seiner Freunde durcheinanderzubringen, wie mein Vater boshaft bemerkte. „Einfach leben – (11)“ weiterlesen
Die grüne Bank am Bolzplatz hat ihren Standort geändert.
Sie steht jetzt in der Morgensonne. Ich sehe eine Krähe, die stolz über die Wiese marschiert. Neben mir blüht verschwenderisch eine Rosskastanie. Das Fräulein hat sich mit einem Stock in der Schnauze ins Gras gelegt. Kommt hier mal ein anderer Hund vorbei? „Die grüne Bank am Bolzplatz hat ihren Standort geändert.“ weiterlesen
Einfach leben – (10)
Später hatten wir uns dann häufiger gesehen, ein- oder zweimal im Jahr. Allerdings kamen auf zwei Verabredungen mindestens vier, bei denen er mich versetzte. Das waren die Tage, an denen ich stundenlang am Grenzübergang Bornholmer Straße stand, egal ob Sommer oder Winter, und nicht glauben konnte oder wollte, dass er wieder einmal nicht kommen würde. „Einfach leben – (10)“ weiterlesen