Einfach leben (6) – Aus dem Langzeitprotokoll 2008–2012

In den Einzelgesprächen fließen die Tränen. Ich hadere mit mir, weil die Schmerzen trotz der vielen Übungen und Behandlungen nicht besser werden. Dazu kommt die Ungewissheit, wie es mit dem Job weitergehen soll. Irgendwann muss ich wieder ins Büro. Vielleicht nicht in der nächsten Woche. Vielleicht nicht im nächsten Monat. Aber irgendwann. „Einfach leben (6) – Aus dem Langzeitprotokoll 2008–2012“ weiterlesen

Einfach leben (5) – Aus dem Langzeitprotokoll 2008–2012

Schon nach wenigen Tagen Krankenhausaufenthalt fühle ich mich psychisch besser. Scheinbar aus heiterem Himmel tauchen Glücksgefühle auf. Allerdings hat das nichts mit den Tabletten zu tun, die mir verordnet wurden und die ich jeden Abend unter Aufsicht einnehme. Eine Schwester hat mir erklärt, dass die Wirkung frühestens nach drei Wochen einsetzen kann. „Einfach leben (5) – Aus dem Langzeitprotokoll 2008–2012“ weiterlesen

Einfach leben (4) – Aus dem Langzeitprotokoll 2008–2012

Als ich mich das erste Mal zur Wehr setzte, war ich elf. Ich erinnere mich genau. In meiner Klasse gab es einen Jungen, der ohne Grund rempelte und andere boxte. Als er mir wieder einmal in Angriffshaltung bedrohlich nahe kam, holte ich aus und verpasste ihm eine Ohrfeige. Er fiel um, war verdutzt und sprachlos. Von da an ließ er mich in Ruhe, und ich hielt mich für mutig. „Einfach leben (4) – Aus dem Langzeitprotokoll 2008–2012“ weiterlesen

Einfach leben (3) – Aus dem Langzeitprotokoll 2008–2012

Seitdem ich abends unter Aufsicht eine Tablette nehme, geht es mir ein wenig besser. Vor allem schlafe ich wieder. Einige Male war ich sogar schon grundlos glücklich – ein Zustand, den ich sonst manchmal beim Schreiben erfahre. Gleich tauchte die Angst auf, mein Wesen könnte sich verändern. Wenn man mir nun mit dieser Tablette einen Teil von mir nimmt? Meine Kreativität zum Beispiel? Vielleicht kann ich nur schreiben, wenn ich Depressionen habe. „Einfach leben (3) – Aus dem Langzeitprotokoll 2008–2012“ weiterlesen

Einfach leben (2) – Aus dem Langzeitprotokoll 2008–2012

Es gibt kaum Gemeinsamkeiten zwischen mir und den Frauen in der Brigitte Woman, die ich mir gestern gekauft habe und die jetzt anklagend neben mir auf dem Nachttisch liegt. Eine Zeitschrift für die ältere oder reifere Frau, zu denen man spätestens gehört, wenn man die vierzig überschritten hat – und da liege ich ja schon seit einiger Zeit deutlich drüber. Ich ärgere mich zwar regelmäßig nach der Lektüre, schaffe es aber nicht, eine neue Ausgabe zu ignorieren. Ein typisches Suchtverhalten. „Einfach leben (2) – Aus dem Langzeitprotokoll 2008–2012“ weiterlesen

Einfach leben (1) – Aus dem Langzeitprotokoll 2008–2012

Nachts sind alle Katzen grau, morgens um drei schmerzt das Herz, der Magen, genau genommen der ganze Körper. Dann ist da noch die Stimme in meinem Kopf. Schön bequem hat sie es sich dort gemacht. Sie erzählt mir lauter Sachen, die ich längst weiß und in dieser Detailtreue nicht hören will: „Einfach leben (1) – Aus dem Langzeitprotokoll 2008–2012“ weiterlesen

Einfach leben – Vorwort

Morgens ist der Garten am schönsten. Vielleicht ist er auch am Sonntagmorgen am schönsten. Wenn die Luft weich ist und es nach feuchtem Gras und Jasmin riecht. Wenn außer mir kein anderer Mensch zu sehen und schon gar nicht zu hören ist. Wenn nur Vögel und Insekten ihrer Beschäftigung nachgehen und die Mitbewohner noch schlafen. „Einfach leben – Vorwort“ weiterlesen